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Aktuelles von der Bundes- und Landesebene

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Foto: Samtgemeinde Dahlenburg

Liebe Leserin, liebe Leser,

der Landesteilhabebeirat wird in der Öffentlichkeit immer stärker wahrgenommen: die "Arbeitsgruppe Empowerment" des Landesteilhabebeirats hat die Presse am 16.03.2017 zur Begehung des umgebauten Forums am Wall vor Ort eingeladen. Hintergrund ist die Verbandsklage der LAGS Bremen, des Blinden- und Sehbehindertenverein Bremens und SelbstBestimmt Leben Bremen. Die Verbände sind der Auffassung, dass der Umbau nicht den baurechtlichen Bestimmungen zur Barrierefreiheit genügt.

In Berlin fand am 27.01.2017 eine Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus im Deutschen Bundestag statt. Zum 1. Mal in der Geschichte des Deutschen Bundestages sprach dort ein Mensch mit Lernschwierigkeit, nämlich der Berliner Schauspieler des Theaters "Ramba Zamba" Sebastian Urbanski. Im Rahmen des 72. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz verlas er einen von Ernst Putzki 1943 in der Sterbeanstalt Hadamar im Westerwald verfassten Text.

Rückblickend in den letzten Wochen und Monate gab es wieder vielerlei Aktivitäten auf Bundes- und Landesebene.

Bundesebene

Seit 01.01.2017 gilt die Novellierung der Werkstättenmitwirkungsverordnung (WMVO), der Teilhabebericht der Bundesregierung wurde vorgestellt und bei der
Wahl des Bundespräsidenten war indirekt auch Bremen in persona der niedersächsischen Landesbehindertenbeauftragten Petra Wontorra beteiligt.

Pflegebedürftige und behinderte Menschen sollen nach den Vorstellungen der pflegepolitischen Sprecherin der Bundestagsfraktion der Grünen, Elisabeth Scharfenberg in Zukunft Sex mit Prostituierten bezahlt bekommen. Die Finanzierung für Sexualassistenz ist für sie vorstellbar - die Kommunen könnten über entsprechende Angebote vor Ort beraten und Zuschüsse gewähren.

Es erfolgte eine Untersuchung der Leichten Sprache, die Studie soll im Frühjahr 2017 folgen und wird im nächsten LBB-Newsletter sicherlich aufgegriffen.
Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist das Piktogrammbuch für Apotheken, das in Zusammenarbeit zwischen Apotheken, Behinderteneinrichtungen mit der Universität Oldenburg entwickelt wurde.

Im Bereich "Sport" gibt es den Reiseführer für Fußball-Fans mit Behinderung und gerade erst wurden die Special Olympics Willingen 2017 beendet. Bei den Nationalen Winterspielen in Willingen gingen ca. 700 AthletInnen, darunter 39 Unified Partner ohne Behinderung, in sechs Wettbewerbs-Sportarten und dem Wettbewerbsfreien Angebot an den Start. Auch Bremen war dort nicht nur sportlich, sondern auch und kulturell vertreten durch Blaumeiers "Duo Kevinsky".

Große Diskussionen hat die Sendung "Team Wallraff" (RTL) verursacht: am 20.02.2017 wurden Vorfälle in Werk- und Wohnstätten gezeigt, die Übergriffe gegenüber behinderten Menschen darstellen.

Landesebene

Am Anfang des Jahres 2017 standen in Bremen die Assistenzhunde im Blickpunkt, d.h. es wurde von einem Fall berichtet, bei dem es eine Frau mit Assistenzhund schwer hatte, in ein Kino zu kommen. Das Thema "Anerkennung von Assistenzhunden" wurde gerade im Parlament in der März-Sitzung behandelt.

Über das Thema "Psychiatrie" ist seit Wochen verstärkt in den Medien zu erfahren. Das Parlament hat sich in der Februar-Sitzung in einer Aktuellen Stunde ("Missstände in klinischen Psychiatrie beenden - Verantwortung für Patientenrechte übernehmen") sowie durch die beiden Tagesordnungspunkte "Bericht der Besuchskommission für den Zeitraum 08/2013 - 04/2016 nach dem PsychKG" und den Antrag der Fraktion Die Linke zum PsychKG beschäftigt. In der letzten Sitzung im Landesteilhabebeirat (Kleiner Beirat) hat das Thema auch auf der Agenda gestanden.

Bildung: Umsetzung der Inklusion im Bremer Westen: LeiterInnen der Schulen Findorff, Gröpelingen und Walle haben ein Arbeitspapier mit dem Titel "Inklusion - eine Bestandsaufnahme 2016 und 2017" verfasst, das am 21.03.2017 in der Bildungskonferenz Bremer Westen diskutiert wurde.

Der sogenannten "Chancenspiegel" der Bertelsmann Stiftung, der am 01.03.2017 vorgestellt wurde (und im März in der Bürgerschaft im Rahmen einer Aktuellen Studie diskutiert wurde) zeigt, dass in Bremen deutlich mehr Kinder mit Förderbedarf auf eine Regelschule gehen als im Bundesdurchschnitt: mehr als dreiviertel aller Kinder mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf gehen in Bremen in eine Regelschule, im Bundesdurchschnitt wird dagegen nur gut ein Drittel der behinderten Kinder mit nicht-behinderten Kindern unterrichtet.

Kultur: rückblickend auf den LBB-Newsletter von Oktober 2016 wurde auf den Bereich Inklusion und Teilhabe von Menschen mit Behinderung an Kultur hingewiesen. Auch für Bremerhaven gibt es hier ein aktuelles Beispiel: bei der am 14.03.2017 eröffneten Ausstellung "Kogge und Meer" im Deutschen Schiffahrtsmuseum wurde bei der Neugestaltung der Kogge-Halle auf die Barrierefreiheit geachtet und am 15.03.2017 der "Tag der Inklusion" gefeiert.

Die Kulturkirche St. Stephani zeigte bis 12.03.2017 die Wanderausstellung der Diakonie Deutschland "Kunst trotz(t) Handicap" (Blaumeier-Atelier) und vom 15.05. - 27.08.2017 findet die Ausstellung "Touchdown" (Eine Ausstellung mit und über Menschen mit Down-Syndrom) in der Galerie im Park in Bremen statt. Diese Ausstellung erzählt zum 1. Mal die Geschichte des Down-Syndroms. Sie erzählt, wie Menschen mit Down-Syndrom heute in unserer Gesellschaft leben, wie sie früher gelebt haben und wie sie in Zukunft leben möchten.

Im Bereich "Sport" stand im Januar erneut Paracycling bei den Bremer Sixdays auf dem Programm, bei der Ehrung Bremer Behindertensportler des Jahres im März waren die "Weserstars" (Sledge-Eishockey) erfolgreich und aus Bremerhaven ist zu vermelden, dass im Rahmen des Behinderten-Sportfestes am 10.06.2017 ein Inklusionslauf stattfinden wird.

Arbeit: einer den beiden Preisträger der "Die Trommel 2017" ist seit Mitte März die Klinik für Psychiatrie im Klinikum Bremerhaven gGmbH. Grund ist die Einführung der Genesungsbegleitung - Betroffene mit Psychiatrieerfahrungen wird eine sinnvolle versicherungspflichtige Beschäftigung im Rahmen ihres Therapiekonzeptes ermöglicht.
Ferner gibt es die gute Nachricht, dass über die Teilnahme an dem Modellprojekt "KompeTanz" eine Mitarbeiterin ihren ersten Job (unbefristete Arbeitsstelle) gefunden hat.