Sie sind hier:

Aktuelles von der Landesebene - Oktober 2018

In eigener Sache
Getreu dem Motto "Eine Seefahrt, die ist lustig. Eine Seefahrt, die ist schön" findet am 24. Oktober 2018 der 1. Jahresempfang des Landesbehindertenbeauftragten im Festsaal der Bremischen Bürgerschaft statt. Die Fahrtkarten wurden verteilt, das Boarding auf dem Schiff "Teilhabe" ist abgeschlossen. Wir freuen uns auf die gemeinsame Reise!

Inklusive Bildung
Laut einer aktuellen Bertelsmann-Studie von Anfang September geht deutschlandweit die Exklusion zurück. Der Anteil der Schüler, die in separaten Förderschulen lernen, nimmt demnach ab. Gingen 2008 noch 4,9 Prozent aller Kinder auf eine Förderschule, waren es 2017 nur noch 4,3 Prozent. Zudem nimmt die Spannweite zwischen den Bundesländern mit den höchsten und niedrigsten Exklusionsquoten ab. Bremen hat demnach eine Exklusionsquote von 1,2 Prozent.
Laut Studie besuchen insbesondere im Förderschwerpunkt Lernen in allen Bundesländern weniger Kinder Förderschulen. So sank die Exklusionsquote der behinderten Schüler bundesweit von 2,1 auf 1,3 Prozent.
Deutschland findet damit Anschluss an internationale Standards. In den meisten anderen Ländern werden Kinder mit Lernschwierigkeiten schon seit langem in den Regelschulen unterrichtet.

Das Bremer Schulgesetz erteilt seit 2009 im § 3 (4) den Auftrag an alle Bremischen Schulen, sich zu inklusiven Schulen zu entwickeln.
Die Schulleiterin des Gymnasiums Horn hatte bekanntermaßen den Senat verklagt, weil die Bildungsbehörde von ihr verlangt hat, eine Inklusionsklasse einzurichten, in der auch Kinder mit Lernschwierigkeiten unterrichtet werden sollen.
Der Landesteilhabebeirat hatte in seiner Sitzung am 12. April 2018 zur Debatte um das Gymnasium Horn Stellung bezogen und einen Beschluss gefasst ("Der diskriminierenden Ausgrenzung behinderter Schülerinnen und Schüler müssen Grenzen gesetzt werden!").
Der Prozess fand Ende Juni in Bremen statt mit dem Ergebnis, dass die Klage chancenlos ist. Joachim Steinbrück war als Prozessbeobachter vor Ort.

Vor wenigen Tagen hat die Senatorin für Kinder und Bildung entschieden, die Kinder mit sonderpädagogischen Förderbedarf vom Gymnasium Horn herauszunehmen und die betroffenen Schüler*innen nach den Herbstferien in anderen Bremer Schulen zu unterrichten. MEHR

Der Landesbehindertenbeauftragte wird sich mit diesen und weiteren Aspekten am 19. März 2019 beschäftigen (Save-the-Date). Gemeinsam mit dem Verein "Eine Schule für Alle" wird gerade eine Veranstaltung mit dem Titel "Schulische Inklusion in Bremen - Bilanz und Perspektiven" geplant.
Vorgesehen sind Best-Practice-Beispiele inklusiver Schulen in Bremen und ein Impulsreferat von Joachim Steinbrück zum Stand und zu den Entwicklungsperspektiven der Inklusion in Bremen. Darüber hinaus hat als Hauptreferentin Ute Erdsiek-Rave (ehemalige schleswig-holsteinische Bildungsministerin und Vorsitzende des Expert*innenkreises Inklusive Bildung der Deutschen UNESCO-Kommission) zugesagt, die zur "Bedeutung der UN-Behindertenrechtskonvention und zum Stand der Inklusion in Deutschland aus Sicht der Deutschen UNESCO-Kommission" referieren wird.

Der Bremer Schulkonsens geht in die 2. Runde: SPD, CDU, Grüne und Linke verständigten sich am 11. September 2018 auf die Neuauflage des Schulfriedens (just an dem Tag als der Senat die Vorlage zum Bremer Behindertengleichstellungsgesetz ausgesetzt hatte). Zehn Jahre nach Verkündigung des 1. Bremer Schulfriedens haben die Parteien für weitere 10 Jahre bis 2028 die Neuauflage bekannt gegeben. Das ist trotz der in den Medien geübten Kritik (zum Beispiel Chefredakteur Weser Kurier "Der Konsens, der keiner ist" und Frankfurter Allgemeine "Der Bremer Schulkonsens führt weiter in den Abgrund") gut so, denn somit wird es auch in Zeiten der Bürgerschaftswahlen keine Strukturdiskussion geben. Leider wird die FDP, wie bereits 2008, den Kompromiss nicht mittragen.

Von uns und anderen

ADA: der Landesbehindertenbeauftragte arbeitet seit vielen Jahren vor allem im Bremer Netzwerk gegen Diskriminierung mit ADA (Antidiskriminierung in der Arbeitswelt) zusammen.
ADA führt diesen Herbst eine Veranstaltung in Bremen zum Thema "Mikroaggressionen gegenüber Menschen mit Behinderung" durch. Geplant sind ein Empowerment-Workshop für behinderte Menschen und ein Vortrag mit anschließender Diskussion zum Thema "Diskriminierung von Menschen mit Behinderung". Referentin für den Workshop und den Abendvortrag wird Kassandra Ruhm sein, über die in diesem Newsletter noch berichtet wird.
Der genaue Zeitpunkt der Veranstaltung wird demnächst auf der ADA-Homepage veröffentlicht.

IRMA(Save-the-Date): die Internationale Reha- und Mobilitätsmesse IRMA wird vom 14.-16. Juni 2019 im Messe- und Veranstaltungszentrum Bremen stattfinden (sie findet jährlich im Wechsel mal in Bremen und mal in Hamburg statt). Wie im vergangenen Jahr ist ein Gemeinschaftsprojekt geplant. Insgesamt vier Verbände/Vereine haben sich bereits für eine Teilnahme ausgesprochen:
Blinden- und Sehbehindertenverein Bremen e.V., kom.fort e. V., Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe behinderter Menschen e. V., SelbstBestimmt Leben e. V. und Stadtführer barrierefreies Bremen.

Von anderen

Das Berufsbildungswerk Bremen feiert 40 Jahre: seit 1978 werden im Berufsbildungswerk Bremen junge behinderte Menschen ausgebildet und ihnen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht. Laut Bürgermeister Sieling sei "die Integration und Qualifizierung junger Menschen mit einem Handicap in bzw. für den Arbeitsmarkt einer der Grundbausteine der modernen Arbeitswelt Bremens. Das Berufsbildungswerk würde hierzu einen wichtigen Beitrag leisten."
Der Verfasser des Editorials hat am Festakt Ende August teilgenommen

Blau-Haus ("Blaue Karawane"): nach 11 Jahren Planungen war die Grundsteinlegung vom Blau-Haus am 26. Juni 2018. Das inklusive Wohnprojekt soll Ende 2019 fertig sein und wird von der Gewoba gebaut.

Lebenshilfe Bremen: die Eröffnung ein neues Apartmenthaus für Menschen mit Lernschwierigkeiten in der Bersestraße (Stadtteil Gröpelingen) wurde am 25. Juli 2018 gefeiert. Anfang August wurden die Wohnungen von den Bewohner*innen bezogen.

Kultur
Nach "Verrückt nach Paris" und "All inclusive" von Eike Besuden kommt jetzt sein "Weserlust Hotel" bundesweit in die deutschen Kinos. Der verrückte Filmdreh "All inclusive" - Dokumentation über die Herstellung von "All inclusive", "Weserlust Hotel" feierte gerade am 27. September 2018 im City 46 Premiere.
Es ist das außergewöhnliche Making-of eines Spielfilms, in dem behinderte Menschen an der Seite von bekannten Schauspielern Haupt- und Nebenrollen übernehmen und auch in den anderen Bereichen wie Kamera, Kostüm oder Ausstattung mitmischen. Joachim Steinbrück hat vor der Premiere im Kino einführende Worte zum Thema Inklusion gesprochen.

Sport

Weserstars Bremen (Para-Eishockey). Der Saisonauftakt der Weserstars Bremen, Deutscher Meister von 2014-2016, hat Anfang September durch die erfolgreiche Teilnahme an einem der größten Para-Eishockey Clubturniere ("Lapp Cup Zin") in Tschechien stattgefunden. Die Mannschaft trat gegen Clubs aus Italien, Norwegen, Österreich, Schweden und Tschechien an.

Werder Bremen startet inklusives Volunteer-Programm: das inklusive Volunteer-Programm des SVW, das in der vergangenen Saison bereits an einzelnen Heimspieltagen lief, findet seit dieser Saison regelmäßig statt. Es werden an jedem Heimspieltag Volunteers mit Behinderung in verschiedenen Bereichen stehen und den Gästen mit Rat und Tat weiterhelfen.
Im Bereich "Corporate Social Responsibility" (CSR) spielt der SVW in der Champions League. Das muss selbst der Verfasser des Editorials, Fußballfan eines Vereins südlich des "Weißwurstäquators", gebührend anerkennen.

Kleiner Exkurs: Nationalspieler Serdal Celebi vom FC St. Pauli schießt das "Tor des Monats" im August und ist damit der erste blinde Fußballer in der 47-jährigen Geschichte dieses Wettbewerbs, dem das gelingt. Für seinen Treffer im Finale um die Deutsche Meisterschaft gegen den MTV Stuttgart wurde er am 15. September 2018 in der ARD-"Sportschau" ausgezeichnet. Herzlichen Glückwunsch!

Sonstiges

Die Stiftung Anerkennung und Hilfe hat ein Zeitzeugenportal eingerichtet. Das Zeitzeugenportal ist Teil der wissenschaftlichen Aufarbeitung, in deren Rahmen die Unterbringungssituation von Kindern und Jugendlichen in stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe und der Psychiatrie in der BRD (1949-1975) und der DDR (1949-1990) untersucht wird.
Entwickelt wurde das Zeitzeugenportal von einer Gruppe von Wissenschaftler*innen der Universitäten/ Hochschulen Düsseldorf, Heidelberg und Berlin sowie der Charité Berlin, die ebenfalls für die Auswertung des Zeitzeugenportals zuständig sind. Mehr Informationen zum Zeitzeugenportal gibt es auf der Internetseite der Stiftung Anerkennung und Hilfe.

Ausblick
Im kommenden Newsletter LBB 37 werden die Novellierung des Bremischen Behindertengleichstellungsgesetzes und der 1. LBB-Jahresempfang eine wichtige Rolle spielen.