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Aus der Pandemie lernen:

Wie können behinderte Menschen zukünftig besser gesellschaftlich teilhaben?

Am 08.11.2021 haben 120 Personen an der Veranstaltung zur Auswertung der Pandemie teilgenommen, die wesentlich durch das Büro des Beauftragten organisiert worden ist. Nach einer Reihe von Interviews mit Nutzer*innen der Eingliederungshilfe und ihren Angehörigen teilten sich die Teilnehmer*innen in Arbeitsgruppen zu den Themen Wohnen, Arbeit und Freizeit auf und diskutierten dort die Anforderungen für die aktuelle und zukünftige Krisensituation. Arne Frankenstein machte dabei deutlich, dass sich Maßnahmen nicht lediglich auf das akute Krisenmanagement beschränken dürften, sondern das eine inklusive auch eine krisenresilientere Gesellschaft ist. Deshalb müssen in allen Lebensbereichen die Anstrengungen um die Herstellung gleichberechtigter und selbstbestimmter Teilhabe verstärkt werden.

Hier einige Rückmeldungen aus den Arbeitsgruppen:

  • Die Perspektive behinderter Menschen ist vernachlässigt worden. Sie hätte viel mehr politisch einbezogen werden müssen. Behinderte Menschen waren auf sich alleine gestellt.
  • Viele Beschäftigte der Werkstatt für behinderte Menschen arbeiten immer noch in Teilzeit. Dies stößt auf erhebliche Kritik. Eine gleichberechtigte Teilhabe am Arbeitsleben ist gegenwärtig nicht gegeben. Es ist wichtig, Arbeit als wesentlicher Teil gleichberechtigter Teilhabe anzuerkennen und zugleich nicht aus dem Blick zu verlieren, dass damit auch eine wichtige Tagesstruktur verbunden ist.
  • Es ist dringend erforderlich, weitere Reformprozesse in den Werkstatten zu initiieren, da diese an ihre Grenzen gestoßen sind und ihren Auftrag in der Pandemie teilweise verfehlt haben.
  • Tagesförderstätten als Orte der Teilhabe am Arbeitsleben müssen mehr in den Blick genommen werden. Konzepte für Tagesförderstäten müssen rechtzeitig unter Beteiligung der Angehörigen erarbeitet werden und die Kommunikation hierüber verbessert werden.
  • Digitale Kommunikation und Homeoffice für Nutzer:innen in allen Bereichen der Eingliederungshilfe, aber gerade in besonderen Wohnformen, der Werkstatt und Tagesförderstätte müssen ausgebaut werden. Es fehlen Medienkompetenzschulungen.
  • Es braucht mehr niedrigschwellige Informationen, die barrierefrei bereitgestellt werden in einfacher und leichter Sprache sowie in Gebärdensprache. Es braucht nicht nur Kommunikation über Verbote, sondern auch über Handlungsmöglichkeiten.
  • Die Handlungsmöglichkeiten behinderter Menschen müssen dann größer sein, wenn sich Benachteiligungen sonst verschärfen. Freizeitangebote wurden vernachlässigt und müssen künftig privilegiert werden, wenn es sonst keine Möglichkeiten der sozialen Interaktion gibt oder diese herabgesetzt sind.
  • Wenn Infektionsschutz und andere Belange kollidieren, muss diese Kollision benannt und aufgelöst werden. Dabei hat der Infektionsschutz nicht automatisch Vorrang. Es müssen aber Verantwortlichkeiten geklärt werden.
  • Informationen zum Impfstatus der Pflege-/Assistenzkräfte müssen gesetzlich verpflichtend werden.
  • 100% der Bewohner lassen sich impfen, aber nur ein Anteil an Assistenz und Betreuern, was zu Gefährdungen führt. Deshalb muss in bestimmten Bereichen eine Impfung verpflichtend werden.
  • Kleinere, dezentrale Wohnangebote sind wichtig, damit nicht ganze Einrichtungen isoliert werden, Besuchsregeln sind in fast jedem Fall unverhältnismäßig in Bezug auf die Selbstbestimmung.
  • Gute Schutz- und Hygienekonzepte müssen präventiv erarbeitet werden.
  • Die Belastung von Angehörigen muss stärker im Blick sein, um Überlastungen auszugleichen. Es braucht zeitweise Auszeiten. Möglichkeiten einer Assistenzreserve müssen geprüft werden („Springer für alle“).
  • Es wird deutlich, dass Ressourcen noch mehr im System gebraucht werden. Beispiel Schulsystem: setzt auf ergänzende Unterstützung durch Assistenz. Wenn dann Präsenzunterricht entfällt, bewirkt dies einen erhöhten Bedarf an Unterstützung, der aber nicht aufgefangen werden kann. Daraus resultiert Überlastung der Angehörigen.

Wie geht es weiter?

Am 23. November findet eine Auswertung der Veranstaltung gemeinsam mit den Interviewpartnern, den Leistungsträgern sowie den Leistungsanbietern statt. An dem Austausch nehmen auch Senatorin Stahmann sowie Senatorin Bernhard teil.
Wir werden im Nachgang berichten.

Einladung zu einem Austausch am 8. November um 16 Uhr

Wie hat sich die Corona-Pandemie auf behinderte Menschen ausgewirkt? Was haben die Corona-Regeln für behinderte Menschen bedeutet? Das möchten wir gemeinsam mit Ihnen besprechen. Behinderte Menschen waren in der Vergangenheit von den Corona-Regeln besonders betroffen. Das zeigte sich gleich zu Beginn der Krise. Behinderte Menschen haben dies selbst aus Ihrem Alltag berichtet. Außerdem gibt es wissenschaftliche Arbeiten, die diese Aussagen nachgehen.

Schauen wir ganz konkret auf die Situation behinderter Menschen im Land Bremen. Wie hat deren Situation in den vergangenen eineinhalb Jahren ausgesehen? Diese Fragen wollen wir beantworten:

  • Wie war die Zeit für behinderte Menschen während Corona?
  • Was hätte besser funktionieren müssen?
  • Welche Probleme wurden bisher nicht angesprochen?
  • Was muss in Zukunft geändert werden, wenn solche Krisen eintreten?

Wir betrachten getrennt die Bereiche Wohnen, Arbeit und Freizeit.

Einerseits wollen wir auf die vergangenen eineinhalb Jahre schauen. Andererseits möchten wir daraus ableiten, wie wir in Zukunft besser handeln können. In zukünftigen Krisen muss die Teilhabe behinderter Menschen besser gewährleistet sein. Nachteile für behinderte Menschen müssen unbedingt verhindert werden.

Diese Einladung richtet sich an:

  • Behinderte Menschen
  • Die Angehörigen von Menschen mit Behinderung
  • Interessenvertretungen behinderter Menschen im Land Bremen

Sie alle können von ihren Erfahrungen berichten. Wir möchten Kritik hören. Und wir sammeln Verbesserungsvorschläge.

Die Veranstaltung wird gemeinsam organisiert von:

  • dem Landesbehindertenbeauftragten der Freien Hansestadt Bremen
  • der Senatorin für Soziales, Jugend, Integration und Sport
  • der Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz sowie
  • der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege

Das Programm

Montag, 8. November, ab 16 Uhr

Es handelt sich um eine Online-Veranstaltung. Wir benutzen das Programm Zoom.

15:30 Uhr Ankommen

16:00 Uhr Begrüßung

  • Petra Kodré
    Abteilungsleiterin Soziales bei der Senatorin für Soziales, Jugend, Frauen, Integration und Sport
  • Arne Frankenstein
    Landesbehindertenbeauftragter der Freien Hansestadt Bremen
  • Wolfgang Luz
    Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege

16:20 Uhr Die Zeit während Corona und die Folgen der Pandemie
Im Gespräch mit Menschen mit Behinderung und deren Angehörigen

  • Lebensbereich Wohnen
    Monika Kräuter und Florian Grams (Leben mit Unterstützung im eigenen Zuhause)
    Carin Seigies und Sebastian Juling (Leben bei einem Anbieter der Eingliederungshilfe)
  • Lebensbereich Arbeit
    Thomas Rammelt (Tagesförderstätten)
    Heiko Blohm (Werkstätten für behinderte Menschen)
  • Lebensbereich Freizeit
    Oskar Spatz und Corinna Mindt von tanzbar_bremen
    Melanie Socher und Karolin Oesker von Blaumeier
  • Austausch mit allen: Berichte von weiteren persönlichen Eindrücken

17:20 Uhr Pause

17:40 Uhr Aus der Pandemie lernen
In Gruppen wollen wir gemeinsam den Blick in die Zukunft richten. Die einzelnen Gruppen werden moderiert.
Wie kann die Teilhabe behinderter Menschen während einer Pandemie garantiert werden? Diese Frage muss für zukünftige Pandemien beantwortet sein. Damit werden wir uns in den Gruppen beschäftigen. Es gibt diese drei Gruppen:

  • 1. Gruppe Wohnen
  • 2. Gruppe Arbeit
  • 3. Gruppe Freizeit

18:25 Uhr Anregungen für die Zukunft
Berichte über die Ergebnisse der einzelnen Gruppen. Diskussion und Ergänzungen mit allen.

18:45 Uhr Ausblick

  • Petra Kodré
  • Arne Frankenstein

19:00 Uhr Ende der Veranstaltung

Moderatorin: Beate Hoffmann