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Nachruf Achim Giesa

Achiem Giesa während der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes

Der LBB nimmt Abschied von Achim Giesa, einem langjährig engagierten Behindertenvertreter und Aktivisten aus Bremen. Mit großem Einsatz setzte er sich insbesondere für die Rechte und die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung ein. Achim Giesa ist am 14. Dezember unerwartet verstorben.

„WIR - wir sind die Aktiven und reden mit“

Gemeinsam mit Detlef Erasmy gründete Achim Giesa den Verein „WIR - wir sind die Aktiven und reden mit“ unter dem Dach der Lebenshilfe Bremen e.V. Als 1. Vorsitzender des Sprecherrats von „WIR“ vertrat er die Interessen von Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung bei zahlreichen öffentlichen Veranstaltungen mit großer Klarheit und Nachdruck.
Darüber hinaus engagierte er sich bei Special Olympics Bremen als stellvertretender Athletensprecher.

Einsatz für einen zeitgemäßen Schwerbehindertenausweis

Ein zentrales Anliegen seines Wirkens war die Umgestaltung des Schwerbehindertenausweises: Über viele Jahre setzte er sich dafür ein, das frühere, große Postkartenformat durch ein handlicheres und unauffälligeres Scheckkartenformat zu ersetzen, um belastende Situationen im Alltag zu vermeiden.
2013 gelang es ihm gemeinsam mit Detlef Erasmy, diese Veränderung umzusetzen. Für ihren langjährigen Einsatz für Teilhabe und Gleichberechtigung wurden beide im April 2014 im Bremer Rathaus mit der Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet - einer bedeutenden staatlichen Anerkennung für gesellschaftliches Engagement.

Verbundenheit mit der Lebenshilfe Bremen

Achim Giesa war über Jahrzehnte eng mit der Lebenshilfe Bremen verbunden und kann mit Recht als eines ihrer „Urgesteine“ bezeichnet werden. Seit 1974 war er Teil der Lebenshilfe - zunächst in Wohngruppen und im stationären Wohnen. In den Jahren 1983/84 nahm er am Wohntraining teil und bezog bereits 1986, unterstützt durch die Lebenshilfe Bremen, eine eigene Wohnung. Damit war er seiner Zeit voraus und ein echter Vorreiter für selbstbestimmtes Wohnen.
Er gehörte zudem zu den ersten, die Assistenzleistungen in Anspruch nehmen konnten. Viele Jahre lebte er im betreuten Wohnen der Lebenshilfe Bremen und blieb auch nach einem Schlaganfall im April 2018 in seiner eigenen Wohnung. Darüber hinaus brachte er sich aktiv im Bewohnerbeirat ein und engagierte sich auf Bundesebene in der Bundesvereinigung Lebenshilfe e.V. im „Rat der behinderten Menschen“.

Viele von uns verbinden persönliche und gemeinsame Erlebnisse mit Achim Giesa in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen. Mit seinem Tod verlieren wir einen geschätzten Ansprechpartner, einen beharrlichen Streiter für Selbstbestimmung und einen Menschen, der viel bewegt hat.

Bundesverdienstorden 2014 für neuen Schwerbehindertenausweis