Hallo, mein Name ist Özden Ohlsen. Ich bin Aktivistin für Menschen mit Behinderungen, für Menschen mit psychischen Herausforderungen sowie für Frauen- und Menschenrechte. Es freut mich sehr, dass ich gefragt wurde, ob ich nicht einen Beitrag teilen möchte.
Seit ich elf Jahre alt bin, lebe ich in Deutschland und seit meinem 18. Lebensjahr in Bremen. Bremen ist meine Heimat. Die Stadt hat mich in verschiedensten Rollen, Funktionen und Lebensabschnitten kennengelernt: als gelernte Heilerziehungspflegerin, systemische Beraterin, Kurzzeittherapeutin und Familientherapeutin. Gleichzeitig bin ich Gründerin der zwei Start-ups „Fabrik der Gesundheit“, welches betriebliches Gesundheitsmanagement in zwölf Sprachen anbietet, und „MagicKorn“. Mit MagicKorn stellen wir Mental-Health-Tools bereit – über 200 Inhalte, die ganz einfach per QR-Code für den Alltag abrufbar sind.
Zudem bin ich Autorin des Buches „Station 61 – Zurück aus der Hölle“ und des dazugehörigen Podcasts, den ich gemeinsam mit dem ehemaligen Chefarzt des Klinikums Ost, Dr. Martin Zinkler (WHO-Mitglied gegen Zwang und für Folterrecht), in Kooperation mit dem Kulturladen Huchting e.V. umsetzen darf. Unsere Zielsetzung ist es, die Psychiatrie-Reform in die Praxis zu transformieren, und wir setzen uns für eine menschenwürdige Psychiatrie ein. In unser „Insan-Mensch-Podcast-Studio“ auf dem Gelände des Kulturladens Huchting kommen Akteure aus ganz Deutschland, um sich im psychiatrischen und politischen Kontext aktiv gegen Zwangsmaßnahmen und die Registrierung von Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen einzusetzen.
Dieses Thema ist für mich weit mehr als nur eine Berufung. Mit 21 Jahren erlitt ich eine cannabisinduzierte Psychose. Durch diese Erkrankung kam ich auf die Station 61; dort wurde ich zwangsuntergebracht, zwangsmedikamentiert und fixiert. Ich wurde für sechs Wochen gegen meinen Willen stationär aufgenommen. Am Entlassungstag wurde ich im Rahmen der Oberarztvisite vor Oberärzten, Pflegekräften, Sozialarbeitern und Psychologen zu meiner Zukunft befragt – ich hatte zu dieser Zeit gerade mein Abi gemacht. Ich antwortete, dass ich gerne studieren oder eine Ausbildung machen möchte. Vom interdisziplinären Team wurde mir jedoch gesagt, dass ich das nicht könne. Man traute mir weder ein Studium noch eine Ausbildung zu; stattdessen sollte ich in ein betreutes Wohnen ziehen. Gleichzeitig wurde mir für ein Jahr ein rechtlicher Betreuer für die Bereiche Aufenthalt und Gesundheit zur Seite gestellt.
Meine Mutter traf damals die richtige Entscheidung und setzte sich dafür ein, dass ich nicht in das betreute Wohnen ziehen musste. Heute setze ich mich politisch und institutionell mit all meinen Rollen und Funktionen sowie einem bundesweiten Netzwerk dafür ein, dass kein Mensch – ob 21 Jahre alt oder in einem anderen Alter – jemals wieder so behandelt wird. Darauf bin ich stolz.