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Liebe Leser:innen,

rückblickend gab es in dem Zeitraum seit dem letzten LBB-Newsletter Ende März wieder vielerlei Aktivitäten des Landesbehindertenbeauftragten und seines Teams auf der Landesebene.

Der 45. Newsletter beschäftigt sich im Schwerpunkt neben den behindertenpolitischen Auswirkungen der Pandemie mit dem weiteren Umgang mit strukturellen Benachteiligungen durch öffentliche Stellen im Land Bremen: Gemeinsam fordern die Landesfrauenbeauftragte und der LBB in einem Schreiben vom 8. Juli den Senat auf, die übergreifende Bekämpfung von Diskriminierung bei allen öffentlichen Stellen im Land Bremen regelmäßig auf die Tagesordnung zu setzen.
Brebau, Feuerwehr oder Polizei - diese drei Bremer Institutionen sorgten wegen diskriminierendem Verhalten in der jüngsten Vergangenheit für Schlagzeilen.
Die Landesfrauenbeauftragte und der LBB sehen in den Vorkommnissen keine Einzelfälle. Vielmehr liege die Ursache in Strukturen, die Diskriminierung ermöglichten und teilweise sogar förderten. Eine ganzheitliche Strategie ist daher notwendig.
Diskriminierung muss übergreifend bekämpft werden. Nur so können wir Strukturen etablieren, die Antidiskriminierung stärken und den generellen (Mehr-)Wert von Vielfalt betonen.
Landesfrauenbeauftragte und Landesbehindertenbeauftragter: Diskriminierung muss ganzheitlich bekämpft werden

Es gibt wieder viel Lesenswertes aus dem Alltag der Dienststelle des Landesbehindertenbeauftragten, des Landesteilhabebeirats, der Zentralstelle für barrierefreie Informationstechnik sowie der Schlichtungsstelle.

Das Team des Landesbehindertenbeauftragten möchte sich hiermit für Ihr Interesse an unserer Arbeit bedanken und wünscht Ihnen eine schöne barrierefreie Sommerzeit!

Von uns und von anderen

Rückblickend gab es in den letzten Wochen wieder vielerlei Aktivitäten auf der Landesebene. Arne Frankenstein und sein Team haben sich zu allgemeinen Informations- und Gedankenaustauschen mit verschiedenen Personen getroffen. Themen waren unter anderem die Belange und Probleme behinderter Menschen in der Bewältigung der Corona-Pandemie, Klimaschutz und Barrierefreiheit, der Vollzug des Bremischen Behindertengleichstellungsgesetzes und die Fortschreibung des Landesaktionsplans zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention.
Dazu zählen Termine mit Politiker:innen (wie beispielsweise mit der grünen Bundestagsabgeordneten Dr. Kirsten Kappert-Gonther), die Teilnahme an der 19. Sitzung des Inklusionsbeirates Bremerhaven und Gespräche mit Autismus Bremen e.V., mit Verantwortlichen des Studiengangs Inklusive Pädagogik der Uni Bremen, mit der Intendantin Frau Gerner und dem Programmdirektor Herrn Weyrauch von Radio Bremen, der Kritischen Initiative für Vielfalt und Inklusion (Kivi) und mit dem Netzwerk Inklusion im Sport.

Die Corona-Pandemie hält uns alle weiter in Atem. Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, dass bei der Ausbreitung des Virus und den getroffenen Schutzmaßnahmen Menschen mit Beeinträchtigungen besonders geschützt und unterstützt werden. Seien Sie versichert, dass wir weiterhin nach Kräften dafür arbeiten werden, die fortbestehenden Probleme besseren Lösungen zuzuführen.

Den LBB haben in den vergangenen Wochen vermehrt Eingaben erreicht, die die besonderen Belastungen behinderter Menschen und ihrer Familien während der Bewältigung der Corona-Pandemie in ihren konkreten praktischen Auswirkungen beschreiben. Darüber hinaus haben sich in diesem Zusammenhang Vereine an den LBB gewandt mit der Bitte um Unterstützung, wie beispielsweise 21 Hoch 3 e.V., "es geht los" e.V. und tanzbar_bremen e.V..

Die Eingaben machen deutlich, dass behinderte Menschen nicht nur seit Beginn der Pandemie in besonders hohem Maße belastet waren, sondern auch, dass immer mehr von ihnen diese Belastung nicht mehr tragen können. In einigen Fällen haben sich neben einem Defizit an Teilhabechancen auch gesundheitliche Beeinträchtigungen verschärft, teilweise sind weitere hinzugetreten. Besonders schwerwiegend sind die Folgen für behinderte Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit kognitiven und schweren mehrfachen Behinderungen. Bei ihnen addieren sich die Benachteiligungen, da oftmals erhebliche Einschränkungen beim Wohnen, Arbeiten und in der Freizeit zusammenkommen. Dieser Befund wird bestätigt durch kürzlich veröffentlichte Studienergebnisse der Deutschen Vereinigung für Rehabilitation.

Der LBB hat sich an den Senat gewandt, um zu erörtern, wie konkrete Schritte aussehen könnten, die dazu beitragen, dass die Errungenschaften einer zunehmend inklusiven Gesellschaft nicht aufs Spiel gesetzt werden und die menschenrechtlichen Anforderungen der UN-Behindertenrechtskonvention kurz-, mittel- und langfristig umgesetzt werden. Mit diesen Maßnahmen darf aus unserer Sicht nicht zugewartet werden. Sie sind jetzt erforderlich, um den Weg aus der Krise heraus nicht nur gleichberechtigt zu gestalten, sondern auch die im Zusammenhang mit der Krise neu entstandenen Problemlagen systematisch zu bearbeiten.
Informationen zur Corona Pandemie in Bremen

Bild: Arne Frankenstein gegen Corona

Arne Frankenstein macht mit bei bremen-gegen-corona.de mit dem Statement:

„Priorisierte Impfungen gehören zu einem schlüssigen Gesamtkonzept gegen Corona. Nur mit baldiger Herdenimmunität kann unser gemeinsame Weg in eine inklusive Zukunft gelingen.“

Die Website bietet umfangreiche Informationen in Leichter Sprache, Deutscher Gebärdensprache und mehreren Fremdsprachen.
Mitmachen bei bremen-gegen-corona.de

Das Büro des Landesbehindertenbeauftragten ist bekanntermaßen in der Welt der Sozialen Medien mit einem eigenen Facebook-Auftritt und der Nutzung von Twitter unterwegs.
Auf Facebook gibt es Einblicke in die tägliche Arbeit und Berichte über aktuelle Entwicklungen und Diskussionen zu Inklusion und Teilhabe. Auf Twitter vernetzt sich die Zentralstelle für barrierefreie Informationstechnik rund um die digitale Barrierefreiheit. Wir würden uns freuen, wenn (auch) Sie unseren Aktivitäten zahlreich folgen.

Stichtag für mehr digitale Barrierefreiheit: 23. Juni

Der 23. Juni markiert einen weiteren Meilenstein auf dem Weg zur digitalen Barrierefreiheit: Sei diesem Tag sind öffentliche Einrichtungen verpflichtet, nicht nur über die Barrierefreiheit ihrer Internet-Auftritte Rechenschaft abzulegen, sondern auch über die ihrer Anwendungen für mobile Betriebssysteme, die sogenannten Apps. Barrierefreiheit in diesem Bereich ist nicht neu - bereits seit 2019 sind öffentlichen Einrichtungen, zu denen nicht nur Behörden, sondern beispielsweise auch Kultureinrichtungen oder Nahverkehrsunternehmen zählen, dazu verpflichtet, ihre Apps barrierefrei zu gestalten.
Seit dem 23. Juni muss nun eine Erklärung vorhanden sein, ob und welche Teile einer App nicht barrierefrei sind, was die Gründe dafür sind, welche Alternativen es gibt sowie eine Möglichkeit zur Kontaktaufnahme. Wie die Barrierefreiheitserklärung auf Webseiten muss auch sie jährlich aktualisiert werden.
Der LBB hat hierzu eine Pressemitteilung „Stichtag für mehr digitale Barrierefreiheit“ veröffentlicht.

Ergebnisse aus der Überwachung von Webangeboten

Der erste Überwachungszeitraum zur Barrierefreiheit von Webauftritten wurde für Bremen zum 30. Juni abgeschlossen. Es wurden sowohl Angebote der Kernverwaltung als auch von weiteren öffentlichen Stellen getestet. Alle Stellen erhielten die Prüfberichte, die vorhandene Mängel ausweisen, Empfehlungen zur Verbesserung enthalten und auf das Beratungs- und Unterstützungsangebot der Zentralstelle für barrierefreie Informationstechnik hinweisen.
Positiv aufgefallen ist, dass die Webangebote, die das für die Verwaltung bereit gestellte KOGIS-System nutzen, deutlich besser abgeschnitten haben. Leider haben immer noch viele Auftritte keine Erklärung zur Barrierefreiheit, die vergleichbar mit der Datenschutzerklärung, seit September 2020 verpflichtend ist für alle öffentlichen Stellen.
27% der getesteten Angebote mit Barrierefreiheitserklärung haben die geforderten Übersetzungen zur Barrierefreiheitserklärung in Leichter Sprache und Deutscher Gebärdensprache dabei nicht eingebunden. Die Zentralstelle stellt diese Übersetzungen kostenlos bereit und gibt Hinweise zur Einbindung in den eigenen Auftritt.
Die Prüfberichte enthalten eine Übersicht über die festgestellten Mängel sowie Hinweise zu deren Behebung. Punkte, die immer wieder aufgefallen sind und auch allen anderen Webseiten-Verantwortlichen helfen, die Barrierefreiheit ihrer Auftritte zu verbessern sind:

  • Unzureichende Kontraste
  • Fehlende Auszeichnung von Links und Buttons
  • Fehlende Überschriftenstrukturen
  • Videos ohne Untertitel
  • Eingeschränkte Tastaturbedienbarkeit
  • Nicht zugängliche Formulare
  • PDFs oder andere Dokumente, die nicht barrierefrei sind

Die Zentralstelle bietet Beratung zu den Prüfergebnissen an, die von einigen öffentlichen Stellen schon konstruktiv angenommen wurde.

Nachlese Veranstaltung Vorstellung Zentral- und Schlichtungsstelle für öffentliche Stellen der Freien Hansestadt Bremen am 18. Mai und am 30. Juni in der Mittagspause

Die Zentralstelle für barrierefreie Informationstechnik und die Schlichtungsstelle der Freien Hansestadt Bremen haben ihre Aufgaben vorgestellt und sich mit den Verantwortlichen aus öffentlichen Stellen ausgetauscht.

Hinweis: Handbuch für digitale Teilhabe und Barrierefreiheit

Die Ankündigung zum Handbuch Digitale Teilhabe und Barrierefreiheit ist veröffentlicht worden. Ulrike Peter und Henning Lühr haben spannende Beiträge zur rechtlichen Umsetzung, zur Verwaltungsorganisation und aus der täglichen Praxis zusammengestellt.
Ankündigung zum Handbuch Digitale Teilhabe und Barrierefreiheit

Bewerbung zur deutschsprachigen Übersetzung der WCAG 2.1

Die Zentralstelle für barrierefreie Informationstechnik wirkt mit an der Übersetzung der einschlägigen internationalen Richtlinien zur digitalen Barrierefreiheit - Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) - in die deutsche Sprache.
Bewerbung zur deutschsprachigen Übersetzung der WCAG 2.1

Nachdem Ende Juli die AG-Sitzung zum Thema „Selbstbestimmte Lebensführung“ hybrid durchgeführt wurde, ist die 2. Runde nun zu Ende. In den insgesamt acht Sitzungen wurde unter anderem über die bisher eingereichten Vorschläge der jeweiligen Arbeitsgruppe diskutiert und um konkrete Ideen ergänzt. Wir haben vor allem über die sozialen Medien darüber regelmäßig informiert. Die 3. AG-Runde startet nach der Sommerpause am 7. September.

Gemeinsam haben der Landesteilhabebeirat sowie der Inklusionsbeirat im Dezember 2019 die Schaffung einer besseren medizinischen Versorgung behinderter Menschen in Bremen und Bremerhaven gefordert.

Ein Schwerpunktthema des Beschluss war die Versorgung mit Assistenz im Krankenhaus. Das Thema wurde von der Bremischen Bürgerschaft im Februar 2020 aufgegriffen. Schlussendlich hat der Senat im August 2020 beschlossen, einen Entschließungsantrag als Antragsteller in den Bundesrat einzubringen mit dem Tenor: Klärung der Kostenübernahme und eine entsprechende Änderung oder Ergänzung des SGB V bzw. des SGB IX vorzunehmen.
Deutschlandweit haben viele weitere Verbände und Institutionen in der gleichen Zeit ebenfalls eine Klärung eingefordert. So darf sich der Landesteilhabebeirat als ein Rädchen mitverantwortlich dafür fühlen, dass am 24. Juni durch den Deutschen Bundestag eine Regelung für den Rechtsanspruch auf Kostenübernahme für die Assistenz im Krankenhaus verabschiedet wurde.

Seit vielen Jahren haben sich die Verbände für eine solche Regelung starkgemacht. Der letzte Schritt für die Einführung einer gesetzlichen Regelung stellt nach der Sommerpause die erneute Befassung durch den Bundesrat dar. Dieser muss die Regelung bestätigen.
Die Regelung sieht vor, dass künftig die Krankenkasse (SGB V) zahlen, wenn Angehörige oder Personen aus dem engsten persönlichen Umfeld Patient:innen mit Beeinträchtigungen begleiten. Bei Assistenz durch Mitarbeiter:innen von Leistungsanbietern der Eingliederungshilfe sollen die Träger der Eingliederungshilfe (SGB IX) zahlen.

Arne Frankenstein:

„Die Kostenregelung ist seit langem überfällig. Mit ihr wird endlich der Verschiebebahnhof zwischen den Leistungsträgern überwunden und verhindert, dass notwendige Krankenhausaufenthalte aus Angst vor fehlender Assistenz aufgeschoben oder ganz vermieden werden. Assistenz im Krankenhaus ist ein zentraler Baustein, um den Erfolg des Krankenhausaufenthalts und die Sicherheit der Patientinnen und Patienten mit Behinderungen zu gewährleisten.“


Der LBB hatte mit Sorge erfahren, dass die fachliche Leitung der KulturAmbulanz und des Krankenhausmuseums nach dem Ausscheiden von Achim Tischer in den Ruhestand, nicht neu besetzt werden sollte. Das hat der LBB zum Anlass genommen sich per Schreiben an die Geschäftsführung der Gesundheit Nord (Geno) zu wenden, um die Bedeutung der KulturAmbulanz, die weit über Bremen hinaus Strahlkraft entfaltet, hervorzuheben und der LBB hat sich für ihre langfristige Absicherung ausgesprochen.
Mittlerweile hat die Geno erfreulicherweise mitgeteilt, dass das Museum bestehen bleibt.

Das Team des LBB Team bedankt sich bei Achim Tischer für die wertvolle Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren und wünscht ihm alles Gute! Achim Tischer hat unter anderem dafür gesorgt, dass die Medizinverbrechen an behinderten Menschen im Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit nicht in Vergessenheit geraten.

Veranstaltungshinweis: Bis zum 17. Oktober findet eine Ausstellung der Malerin Hannah Bischoff und Zeichnungen von Marikke Heinz-Hoek statt, die sich künstlerisch mit dem organisierten Tötungsprogramm der Nationalsozialisten an psychisch kranken und behinderten Menschen (Euthanasie) auseinandersetzen. Dazu gibt es ein Programm mit Führungen, Vorträgen und Zeitzeugengesprächen.

Der Landesbehindertenbeauftragte und das Forum barrierefreies Bremen beteiligten sich in einer gemeinsamen Stellungnahme (welche unter anderem an Bürgermeister Dr. Bovenschulte und Bürgermeisterin Dr. Schaefer gerichtet war) an der derzeitigen Diskussion zum Thema Umgestaltung Domsheide und fordern die Berücksichtigung der Barrierefreiheit ein.
Stellungnahme zur Umgestaltung der Domsheide

In den letzten Wochen sind verschiedene größere Stellungnahmen vom LBB erstellt worden wie beispielsweise die Stellungnahme zur sogenannten doppelten Querungsstelle oder die Stellungnahme zur Teilfortschreibung des Verkehrsentwicklungsplans Bremen 2025.
Weitere Stellungnahmen

Zum Vormerken: Bremens größtes inklusives Fußballturnier geht am 25. September in die nächste Runde. Nach dem der I-Cup im letzten Jahr auf Grund der Corona-Pandemie ausfallen musste, kehrt er im September zum 11. Mal mit altbewährtem Prinzip und neuem Bewegungsdrang in den Sportgarten in der Pauliner Marsch zurück. Wie immer gilt an diesem Tag: Fußball für alle!
Der I-Cup hat in den vergangenen Jahren Menschen aus ganz Bremen und Umgebung auf den Platz gezogen. Am Vormittag treten traditionell die Jugendlichen gegeneinander an, bevor am Nachmittag das Erwachsenen-Turnier beginnt.
Beim letzten I-Cup machten mehr als 300 Spieler:innen aus fast allen Altersgruppen mit. Auch dieses Mal sind Mannschaften, Einzelspieler:innen und Zuschauer:innen eingeladen, dabei zu sein. Lust darauf, bei dem tollen Turnier mitzukicken? Dann gerne bei uns melden.

Ungefähr 280 Personen nahmen an der Regionalkonferenz zum Umsetzungsstand des Bundesteilhabegesetzes teil. Der LBB forderte in seinem Beitrag den personenzentrierten Leitgedanken des Gesetzes verstärkt und zeitnah für alle Nutzer:innen umzusetzen. Neue Leistungsangebote sind hierfür zu schaffen. Der LBB betonte, dass sich die Vertretung behinderter Menschen hierfür in der Vertragskommission sowie den Unterkommissionen einsetzen wird.
Als Referent in einer der Arbeitsgruppen schilderte der LBB der AG "Sozialraumorientierung" seine Erwartungen an eine personenzentrierte Eingliederungshilfe.
Weitere Informationen zum Bundesteilhabegesetz

Am 4. Juni fand der dritte Fachtag #Teilhabe unter dem Motto „Wir lernen voneinander“ statt, den die Bremische Landesmedienanstalt seit 2016 in Kooperation mit dem Martinsclub Bremen e. V. und dem LBB veranstaltet.
Welche medialen Barrieren und Hürden existieren für Menschen mit körperlicher und/oder geistiger Beeinträchtigung? Und wie können diese abgebaut und durch aktive Medienarbeit Zugänge geschaffen werden? Mit diesen Fragen befasste sich der diesjährige Fachtag #Teilhabe unter der Moderation des Regisseurs und Produzenten Eike Besuden.
„Gesellschaftliches Leben findet immer häufiger auch in digitalen Räumen statt. Diese Räume müssen deshalb von Anfang an inklusiv gestaltet sein. Hierfür tragen wir eine gemeinsame Verantwortung. Wir alle müssen in die Lage versetzt werden, Barrieren abzubauen und Kompetenzen zu erwerben, um einander gleichberechtigt und auf Augenhöhe zu begegnen. Der Fachtag zeigt, dass hiervon alle profitieren und ein Mehrwert entsteht, der weit über digitale Räume hinausgeht. Unerlässlich ist und bleibt, dass behinderte Menschen aktive Mitgestalter:innen dieser Weiterentwicklung sind", so Arne Frankenstein dazu.

Sigrid Arnade im Gespräch mit Arne Frankenstein vor einem Auto
Foto: Hans-Günter Heiden

Dr. Sigrid Arnade und Hans-Günter Heiden vom NETZWERK ARTIKEL 3 haben mit ihrem VW-Bus als #MehrBarrierefreiheitWagen eine Zwischenstation in Bremen gemacht und trafen sich mit Arne Frankenstein.

Ihre Tour ist am 22. April in Berlin gestartet und ging bis zum 9. Mai, um mit Politiker:innen und anderen Verantwortungsträger:innen zu sprechen und dafür zu werben, dass das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz nachgebessert und noch in dieser Legislaturperiode verabschiedet wird.

Arne Frankenstein:

„Barrierefreiheit als universelles menschenrechtliches Prinzip erstreckt sich auf alle gestalteten Lebensbereiche. Alle heißt: ohne Ausnahme! Sie müssen so gestaltet werden, dass niemand von einer Nutzung ausgeschlossen wird. Auch deshalb fordert die UN-BRK Barrierefreiheit im Sinne eines Universal Design. Wo keine Barrierefreiheit besteht, müssen im Einzelfall angemessene Vorkehrungen geschaffen werden. Diese müssen mit individuellen Ansprüchen hinterlegt sein und gerichtlich einklagbar sein. Solange das nicht geschieht, ist Deutschland mit der Verwirklichung der Konvention in Verzug!“

Teile der Tour wurde durch ein Kamerateam der Arbeitsgemeinschaft Behinderung und Medien begleitet.
Entstanden ist so ein Film zur Tour #MehrBarrierefreiheitWagen.
Siehe auch die Berichterstattung bei kobinet

Arne Frankenstein während seiner Rede. Neben ihm steht sein Assistent und hält einen Regenschirm.

Der Landesbehindertenbeauftragte äußerte sich auf der Kundgebung des Arbeitskreis Bremer Protest, an der ca. 70 Menschen teilnahmen, insbesondere zu den Anforderungen die an Bremen gestellt sind, um den Weg aus der Krise heraus für die Weiterentwicklung einer inklusiven Gesellschaft zu nutzen. Er forderte einen Pakt für Teilhabe als gemeinsame Anstrengung von Bund und Ländern und machte in seinem Redebeitrag deutlich, dass alle Maßnahmen ausgeschöpft werden müssen, damit diejenigen, die erhebliche Einschränkungen ihrer Teilhabe erlitten haben, nun bevorzugt werden bei den Möglichkeiten, diese wieder wahrzunehmen.
Birgit Meierdiercks, die Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft der Werkstatträte in Bremen und Bremerhaven, moderierte die inhaltlichen Beiträge.
Bremer Protesttag am Aktionstag 5 Mai, verregnet, aber schön

Das Team des LBB befindet sich seit Februar 2020 im engen Austausch mit dem Bremer entwicklungspolitischen Netzwerk e.V., (BeN), der Senatskanzlei (Referat 32 Internationale Kooperationen und Entwicklungszusammenarbeit), BORDA e.V. sowie Human & Environment e.V..
Inhaltlich ging es bei den Treffen beispielsweise um die Projektarbeit am Internat für Schüler:innen mit Behinderungen in Osogbo, Nigeria. Seit mehreren Jahren konzentriert sich die Unterstützung von Human & Environment e.V. auf eine große staatliche Internatsschule für Kinder und Jugendliche in Nigeria. Dort werden in der Primar- und Sekundarschule ca. 600 junge Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen betreut und unterrichtet. Gemeinsam setzt sich der Verein für ein menschenwürdiges und gleichberechtigtes Leben der Menschen ohne Hunger und Armut ein.

Das Projekt INAZ „Inklusive Bildung in der Alphabetisierungspraxis und im System des Zweiten Bildungswegs - Qualifikationen, Kompetenzen und Bedarfe des pädagogischen Personals“ zielt auf die Professionalisierung der inklusiven Bildungspraxis in der Alphabetisierung und im System des Zweiten Bildungswegs. Untersucht wurde, welche Kompetenzen aber auch Widerstände Lehrkräfte in ihrem Berufsalltag bereits haben. Auf der Basis von Gruppendiskussionen und einer bundesweiten Fragebogenerhebung mit Lehrkräften an Volkshochschulen wurde ein Fortbildungsmodul entwickelt und erprobt. Es dient dazu, Lehrkräfte der Erwachsenenbildung zu befähigen, inklusive Lerngruppen qualitativhochwertig zu unterrichten. Die Projektleitung hatte Prof. Dr. Marianne Hirschberg und der LBB hatte die Schirmherrschaft der Veranstaltung übernommen und ein Geleitwort für die Abschlussdokumentation erstellt.
Weitere Informationen zum Projekt INAZ

Von anderen

Rückblickend gab es in den letzten Wochen wieder vielerlei Aktivitäten auf der Landesebene. In der Rubrik Von anderen fassen wir Beispiele aus dem Bereich der Behindertenpolitik der letzten Wochen noch einmal für Sie zusammen.

Portait Sabine Bütow

Das Netzwerk Selbsthilfe e.V. Bremen-Nordniedersachsen e.V. unterstützt Selbsthilfegruppen und Vereine in ihrer Gründungsphase und während ihrer laufenden Arbeit, bei der Entwicklung tragfähiger Strukturen und bei der Finanzierung. Sabine Bütow ist die Geschäftsführerin. Seit vielen Jahren besteht zwischen dem Netzwerk Selbsthilfe und dem Büro des LBB ein enger Austausch. Welche Brücken es zwischen dem Netzwerk und dem LBB gibt, welche Themen gemeinsam vorangebracht wurden und was es mit der Fortschreibung des Landesaktionsplans auf sich hat, lesen Sie hier
Behindertenrechtsaktivist:in: Sabine Bütow

Wir bedanken uns bei Sabine Bütow für die wertvolle Zusammenarbeit und wünschen ihr schon heute für die Rentenzeit ab dem kommenden Jahr alles Gute!

Die erste offizielle Handbike-Tour durch Bremen ist pünktlich zur besten Ausflugszeit fertig geworden. Am 27. August treffen sich alle Freund:innen von Handbike und E-Rollstuhl zu einer Einweihungsfahrt um 11:00 Uhr zur offiziellen Begrüßung und Eröffnung. Kommen Sie mit zur Einweihungsfahrt und testen Sie die Route.
Anmeldung und weitere Informationen

Wir möchten Sie auf die Tagung der Aktion Psychisch Kranke zur Thematik „Förderung der Selbstbestimmung und Vermeidung von Zwang” in der KulturAmbulanz hinweisen, die in Kooperation mit der Bundesarbeitsgemeinschaft Gemeindepsychiatrischer Verbünde und dem Bundesnetzwerk Selbsthilfe seelische Gesundheit durchgeführt wird.
Der LBB wird einen inhaltlichen Beitrag im Rahmen der Jahrestagung geben.
Weitere Informationen zum Programm und zur Anmeldung

Der Martinsclub (m|c) plant gemeinsam mit dem Sportgarten e.V. ein umfangreiches Bühnen- und Rahmenprogramm. Damit möchte der m|c ein Zeichen für Vielfalt und eine inklusive Gesellschaft setzen.
Martinsclub - laut - bunt - kreativ - inklusiv

Mit ganz viel Schaffenskraft wurde vom Netzwerk ein tolles Programm auf die Beine gestellt. Eigens konzipiert werden drei Online-Themeninseln. Dort besteht die Möglichkeit, virtuell in Kontakt zu treten mit Selbsthilfe-Akteuren aus den Bereichen psychische Erkrankungen, chronischen Erkrankungen sowie Suchterkrankungen. Die Infobörse findet von 10.00 bis 15.00 Uhr in einer Kombination von Live-Veranstaltungen in der etage und Online-Angeboten statt.
18. Bremer Selbsthilfe-Tag

Als Landesbehindertenbeauftragter hat sich Arne Frankenstein (genauso wie sein Vorgänger Joachim Steinbrück) stets für die Inbetriebnahme sowie die finanzielle Absicherung des MZEB eingesetzt.
Ab August 2021 vergibt das MZEB erste Termine an Patient:innen. Das Angebot richtet sich ebenfalls an Angehörige, Institutionen der Behindertenhilfe, gesetzliche Betreuer:innen und andere in der Versorgung der Patient:innen mit körperlicher und/ oder geistiger Mehrfachbehinderung als multidisziplinäres Kompetenzzentrum unterstützen. Angesiedelt ist das Zentrum im 2. Stock des Hauses 6 auf dem Gelände des Klinikums Bremen-Mitte. Das multidisziplinare Team hat sich in den vergangenen Wochen in den zugewiesenen Räumen eingerichtet und die internen Voraussetzungen für die Behandlung von Patient:innen konkret vorbereitet. Nun kann es losgehen.
Nach vielen Jahren des Einsatzes durch die Selbstvertretung behinderter Menschen, den Leistungserbringern sowie der Politik freut sich der LBB außerordentlich, diese Information zur Eröffnung des Medizinischen Zentrums für Erwachsene mit Behinderung bekannt zu geben.
Internetseite des MEZB

Der Antrag auf Feststellung einer Behinderung beim AVIB kann online ausgefüllt und versandt werden. Das Formular führt Antragsteller:innen Schritt für Schritt durch den Antrag. Möglich ist sowohl der erstmalige Antrag auf Feststellung einer Behinderung als auch ein Antrag auf Änderung einer bereits bestehenden Feststellung.
schwebnet.bremen.de

Bei der Jahresversammlung am 4. Juni wurde Sabine Schöning nach 15 Jahren als Vorsitzende verabschiedet (vielen Dank für die langjährige gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit) und als neue Vorsitzende Sylvia Krenke-Velten gewählt. Herzlichen Glückwunsch zur Wahl - wir freuen uns auf die Zusammenarbeit!
Das Team des Gehörlosenzentrum Bremen e.V.

Joachim Steinbrück ist im Juni als 1. Vorsitzender aus dem Vorstand ausgeschieden und auf der Mitgliederversammlung am 24. Juni ist Jürgen Karbe als Vorsitzender gewählt worden. Danke an Joachim Steinbrück für sein Engagement und herzlichen Glückwunsch an Jürgen Karbe und den gesamten neuen Vorstand! Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit.
Artikel der LAGS zum neuen Vorsitzenden

An der Bremer Hochschule für Öffentliche Verwaltung startet im November 2021 die Weiterbildungsmaßnahme zur psychosozialen Prozessbegleitung. Der Kurs richtet sich an Psycholog:innen, Sozialarbeiter:innen und (Sozial-)pädagog:innen, die sich für die Begleitung von vulnerablen Opfern im Strafverfahren qualifizieren möchten.
Weitere Informationen zum Weiterbildungskurs „Psychosoziale Prozessbegleitung“

Die 4. Auflage des Festivals fand vom 7. bis zum 11. Juli statt. Es ist Bremens einzigartiges inklusives Festival und füllte die Spielstätten wieder mit Leben, gleichwohl unter besonderen Vorzeichen: weitgehend ohne internationale Gäste, aber dennoch mit einem umfänglichem Programm.
Mittenmang Festival

Die von der Bürgerschaft beschlossene Antidiskriminierungsstelle des Landes soll spätestens im Oktober ihren Betrieb aufnehmen. Das hat die Deputation für Soziales, Jugend und Integration am 24. Juni beschlossen. Die Senatsbefassung folgt voraussichtlich im September. Angesiedelt werden soll sie zunächst bei der Senatorin für Soziales. Es soll aber eine Ansiedlung in einem zweiten Schritt bei der Bremischen Bürgerschaft geprüft werden (nach dem Vorbild Schleswig-Holsteins).
Die LADS soll immer erster Ansprechpartner sein und bei Bedarf weitervermitteln an die bereits bestehenden Einrichtungen der Antidiskriminierungsarbeit im Land Bremen.
In die LADS soll zudem das bereits bestehende Beschwerdemanagement der Landeserstaufnahmestellen für Geflüchtete in Bremen eingegliedert werden, das im September 2020 im Integrationsreferat der Sozialbehörde als weisungsungebundene Stelle eingerichtet worden ist.
Die Errichtung der LADS, die möglichst weitgehende Unabhängigkeit gewährleistet, wird vom LBB und vom Netzwerk gegen Diskriminierung befürwortet.
Weitere Informationen zum Thema Diskriminierung

Die Bremer behindertenpolitische Aktivistin und Künstlerin Kassandra Ruhm, die sich seit Jahren für die Wahrnehmung der Menschenrechte einsetzt, schreibt in einer Kolumne im Newsletter von Raul Krauthausen und Online Magazin Die Neue Norm über Intersektionalität.
Link zur Kolumne

Zu den erstmals in Deutschland ausgetragenen Special Olympics World Games im Jahr 2023 möchten auch Bremen und Bremerhaven zu den 170 Kommunen bundesweit gehören, die die Sportler:innen im Vorfeld der Spiele als Gastgeber beherbergen.

Um die verbindende Wirkung der Special Olympics für die Inklusion über den Austragungsort Berlin hinaus in die Breite zu bringen, haben die Organisator:innen ein "Host Town Programm" (Gastgeberstadt-Programm) eingerichtet unter dem Motto "170 Nationen - 170 inklusive Kommunen". Die teilnehmenden Kommunen werden Gastgeber und nehmen die Delegationen vier Tage vor Beginn der Spiele auf. Die Gastgeberstädte gestalten den viertägigen Aufenthalt unter anderem mit gemeinsamen Sportaktivitäten.

In Berlin werden bis zu 7.000 Athletinnen und Athleten aus über 170 Nationen erwartet.

LBB:

„Durch seine Bewerbung macht Bremen deutlich, dass behinderte Menschen aus aller Welt bei uns willkommen sind. Das begrüße ich als Landesbehindertenbeauftragter sehr. Ich erhoffe mir zudem, dass inklusive Strukturen in Bremen hierdurch gestärkt werden können. Wichtig wäre aus meiner Sicht, das Selbstverständnis im Breitensport dahingehend zu verändern, das gemeinsames Sporttreiben von Menschen mit und ohne Behinderung von der Ausnahme zur Regel wird. Es gibt in Bremen schon einige tolle inklusive Sportangebote. Der Sport nutzt aber bislang sein inklusives Potenzial bei weitem nicht aus. Dass noch Luft nach oben ist, sehen wir auch an der oft fehlenden Barrierefreiheit von Sportstätten. Die Weltspiele bieten eine tolle Gelegenheit, das Potenzial von Inklusion durch Sport sichtbar zu machen und mit den Athlet*innen aus aller Welt, über die Bedingungen ins Gespräch zu kommen, die wir gemeinsam brauchen, um gut zusammenzuleben. Ich wünsche mir, dass damit auch ein Signal für die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen verbunden ist, das über den Sport hinausgeht. Eine inklusive Gesellschaft werden wir nur dann, wenn behinderte und nichtbehinderte Menschen überall ihre Lebenswelten teilen: nicht nur im inklusiven Schuldsystem, sondern auch in der Freizeit und beim Sport.“

Darüber hinaus möchten wir auf das „Move-Projekt“ hinweisen, ein Gesundheitsprojekt von und für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen
170 Nationen - 170 inklusive Kommunen

StafF ist ein ganzheitliches Beratungsprojekt, das armutsgefährdete Familien in den Quartieren Huchting und Hemelingen unterstützt. Die Familien sollen mittels individueller Ansprache vor Ort sowie durch Beratung und Begleitung an stadtteilnahe Beratungs-, Freizeit- und Bildungsangebote herangeführt werden. Ebenso sollen sie darin gestärkt werden, sich selbst zu organisieren. Ein weiteres Anliegen von StafF ist es, Teilnehmende bei der Aufnahme von Beschäftigung nachhaltig zu unterstützen. Stark für Familien setzt sich dafür ein, dauerhafte Strukturen zur Unterstützung der Zielgruppe zu schaffen und diese für Familien zugänglich zu machen.
Das Angebot, das dem LBB am 6. Juli vorgestellt wurde, kommt vom Verein für Innere Mission in Bremen. In der Beratungsstelle wird eng mit der Stadt Bremen, dem Jobcenter und dem Quartiersmanagement zusammengearbeitet.
Stark für Familien (StafF)

tanzbar_bremen hat in der Zeit von Januar bis Mai 2021 den Film „Eintauchen“ (Film: Matthias Knapp) mit Jugendlichen im Rahmen eines Tanzprojektes unter der Projektleitung von Karin Kreuser (Werkstufe der Inge Katz Schule) erarbeitet, der die Situation der jungen Menschen in der Pandemie (so ganz ohne Worte) zeigt.
Film „Eintauchen“ bei Youtube ansehen

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