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Newsletter Nr. 59 – März 2026

Guten Tag,

es bleiben behindertenpolitisch herausfordernde Zeiten. Der Entwurf einer Novelle des Behindertengleichstellungsgesetzes erreicht das Hauptziel, auch private Rechtsträger umfassend zur Herstellung von Barrierefreiheit zu verpflichten, nicht. Das Konzept angemessener Vorkehrungen würde durch den Entwurf ausgehöhlt und für private Rechtsträger entgegen der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts faktisch für unanwendbar erklärt. Es bleibt zu hoffen, dass diese groben Webfehler im parlamentarischen Verfahren noch korrigiert werden können.

So oder so muss einen die Entwicklung besorgen, denn die Bestandsbarrieren in allen Bereichen öffentlicher und privaten Infrastrukturen sind riesig. Dass mit mehr Barrierefreiheit und mehr Inklusion letztlich auch die Bedarfe im Eingliederungshilferecht gesenkt werden und zu substanziellen Einsparungen im Sozialetat führen könnten, zeigt, dass die politischen Lösungen aktuell deutlich zu kurz springen und sich mitunter widersprechen. Sie fokussieren sich zu sehr auf Einsparungen und zu wenig auf tragfähige inhaltliche Konzepte.

Für den Bremer Senat gilt ähnliches: statt gemeindenahe Unterstützungssysteme weiterzuentwickeln, werden gegenwärtig vor allem Kosteneinsparungen diskutiert. Hierbei steht nicht weniger als die Ambulantisierung von Wohnangeboten auf dem Spiel. Der Senat plant, die Platzzahlbegrenzung in besonderen Wohnformen aufzugeben. In Zeiten von Haushalts-, Personal- und Fachkräftekrise wäre es dann nur eine Frage der Zeit, dass auch in Bremen wieder Großeinrichtungen gebaut werden. Dies kann noch, aber es muss auch verhindert werden: Großeinrichtungen können nicht Bestandteil eines inklusiven Gemeinwesens sein.

Arne Frankenstein als Landesbehindertenbeauftragter einstimmig wiedergewählt

Die Bremische Bürgerschaft (Landtag) hat Arne Frankenstein am 19. März 2026 einstimmig als Landesbehindertenbeauftragten der Freien Hansestadt Bremen wiedergewählt. Der 39-jährige Jurist übt das Amt seit Mai 2020 aus.

Bürgerschaftspräsidentin Antje Grotheer hatte zuvor den gesetzlichen Vorgaben entsprechend nach Anhörung der verbandsklageberechtigten Behindertenverbände Frankenstein zur Wiederwahl vorgeschlagen. Seine zweite Amtszeit beginnt am 1. Mai 2026 und beträgt sechs Jahre.

Der neue und alte Beauftragte erklärte hierzu am Tag seiner Wahl:

„Die Wahl geht für mich mit der Verantwortung einher, mich weiter konsequent und gegen Widerstände für ein inklusives Gemeinwesen in Bremen und Bremerhaven einzusetzen. Die Bremische Bürgerschaft hat mir hierfür heute ein eindeutiges Mandat erteilt. Angesichts der gegenwärtigen gesellschaftspolitischen Situation und enger Finanzspielräume ist mir eines besonders wichtig: die Umsetzung der Vorgaben der UN-Behindertenrechtskonvention darf nicht unter Kostenvorbehalt gestellt werden. Sie muss im Schulterschluss mit den Organisationen von Menschen mit Behinderungen im Gegenteil konsequent weiterentwickelt werden. Nur dann kann es gelingen, die Lebensbedingungen von behinderten Menschen wesentlich zu verbessern.“

Zahlreiche Glückwünsche erreichten den Amtsinhaber nicht nur aus Bremen und Bremerhaven, sondern aus der ganzen Republik, u.a. von den Kolleg:innen aus Bund und Ländern sowie den Organisationen von Menschen mit Behinderungen.

Dieter Stegmann erhält das Bundesverdienstkreuz

Am 5. Februar bekam Dieter Stegmann den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland von Sozialsenatorin Dr. Claudia Schilling im Festsaal im Haus der Bremischen Bürgerschaft für sein jahrzehntelanges Engagement für die Rechte von Menschen mit Behinderung verliehen.

Dieter Stegmann war eine treibende Kraft dafür, dass es seit 2005 das Amt des Beauftragten für die Belange behinderter Menschen im Land Bremen gibt und darüber hinaus hat er das Bremische Behindertengleichstellungsgesetz wesentlich mitgestaltet und geprägt.

Unter seiner maßgeblichen Handschrift ist das Bremer Behindertenparlament zu einer einflussreichen Institution der Interessenvertretung behinderter Menschen in Bremen geworden, den jährlich stattfindenden Protesttag am 5. Mai hat er über Jahrzehnte hinweg entscheidend mitgeprägt.

Besonders hervorzuheben ist sein Engagement für die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention im Land Bremen. Ein besonderes Anliegen war und ist ihm die Errichtung eines Medizinischen Zentrums für Erwachsene mit körperlichen und/oder geistigen Behinderungen in Bremen sowie der Erhalt des Landespflegegeldes. Dabei hatte er stets ein umfassendes, inklusives Verständnis von Behinderung und hat nie nur einzelne Gruppen, sondern die Belange aller behinderten Menschen im Blick gehabt.

Seit vielen Jahrzehnten ist er eines DER Gesichter und eine DER prägenden Stimmen der Bewegung gegen Diskriminierung und für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen in Bremen.
Mit der Verleihung des Bundesverdienstordens an ihn wird zugleich das Engagement und die Leistung von Menschen mit Behinderungen für unser Gemeinwesen insgesamt anerkannt und gewürdigt.

Ehrung für jahrzehntelangen Einsatz für die Rechte von Menschen mit Behinderungen

Monitoring NIPT: Bremer Initiative führt zu erneuter Befassung im Bundestag

Nachdem das dringend angezeigte Monitoring des nicht-invasiven Pränataltests (NIPT) auf Trisomien im Jahr 2024 nicht mehr durch den Bundestag beschlossen werden konnte, nachdem die Ampel-Koalition kurz zuvor zerbrach, hat ein weitgehend inhaltsgleicher fraktionsübergreifender Antrag am 20. März 2026 im Bundestag in erster Lesung viel Zustimmung erfahren. Nach der Debatte überwiesen die Abgeordneten die Vorlage zur weiteren Beratung an die Ausschüsse. Die Federführung liegt beim Gesundheitsausschuss.

Monitoring NIPT erneut im Bundestag

Landesteilhabebeirat fordert Mittel aus Sondervermögen für Infrastruktur zum Abbau von Barrieren im ÖPNV, in öffentlichen Straßen sowie öffentlichen Gebäude

Mit seinem Beschluss vom 05.02.2026 hat der Landesteilhabebeirat den Senat und die Bürgerschaft aufgefordert, aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität Mittel zur Verfügung zu stellen, mit denen der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) in den Stadtgemeinden Bremen und Bremerhaven vollständig barrierefrei ausgebaut werden kann, insbesondere sämtliche Bus- und Straßenbahnhaltestellen spätestens bis zum 31.12.2038 barrierefrei umgestaltet werden. Des Weiteren sollen zusätzliche Mittel zur Herstellung der Barrierefreiheit im öffentlichen Verkehrsraum (Straßen, Wege, Plätze und Grünanlagen) sowie in öffentlichen Gebäuden des Landes sowie der Stadtgemeinden Bremen und Bremerhaven bereitgestellt werden.

Bremens Landesbehindertenbeauftragter Arne Frankenstein, zugleich Vorsitzender des Landesteilhabebeirats, erklärt zu dem Beschluss:

Den Beschluss des Landesteilhabebeirats begrüße ich ausdrücklich. Er dient der Umsetzung des gesetzlichen Auftrags zur Schaffung barrierefreier Strukturen im öffentlichen Raum. Hiermit ist Bremen in Verzug. Ohne weitere finanzielle Mittel dürfte es noch Jahrzehnte dauern bis Barrierefreiheit in ausreichendem Umfang gegeben ist.

Pressemitteilung des Landesteilhabebeirats vom 11.02.2026

Einladung in den Sozialausschuss Bremerhaven

Am 17. Februar 2026 war Arne Frankenstein erstmals Gast im Sozialausschuss Bremerhaven. Der Landesbehindertenbeauftragte hielt einen Impulsvortrag mit dem Titel „Die Umsetzung der UN-BRK in Bremerhaven“. Er machte deutlich, dass der grundsätzlich weite Entscheidungsspielraum des Magistrats über die Angelegenheiten seiner kommunalen Selbstverwaltung seine Schranken in den Verpflichtungen zur Umsetzung der UN-BRK findet und leitete hieraus konkrete Handlungsempfehlungen für die Seestadt ab.

Vortrag: Die Umsetzung der UN-BRK in Bremerhaven (pdf, 287.5 KB)

Austausch mit Immobilien Bremen

Arne Frankenstein, Monique Birkner, Dr. Susann Cordes und Thomas Börsch während des Gesprächs

Arne Frankenstein und Monique Birkner haben sich mit Dr. Susann Cordes und Thomas Börsch, den Geschäftsführungen von Immobilien Bremen ausgetauscht. In dem Austausch ging es um konkrete Verbesserungen bei Tempo und Qualität der baulichen Barrierefreiheit in öffentlichen Liegenschaften in Bremen. Aus Sicht des Beauftragten müssen Senat und Bürgerschaft endlich Investitionsmittel für den Abbau von Barrieren im Bestand bereitstellen. Dies erfordere der gesetzlich verankerte Maßnahmen- und Zeitplan, den der Senat aufzulegen verpflichtet ist. Nur so kann gewährleistet werden, dass Barrierefreiheit keine Randnotiz in Sanierungsplänen bleibt.

Austausch mit der Hochschule Bremen

Herr Prof. Dr. Wolf, Arne Frankenstein und Frau Prof.in Sabina Schoefer im Gespräch

Im Februar hat sich Arne Frankenstein mit dem Rektor der Hochschule Bremen Prof. Konrad Wolf, und der Konrektorin für Digitalisierung, Change Management und Diversity Prof. Sabina Schoefer ausgetauscht. Inhaltlich ging es u.a. um die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention an der Hochschule Bremen, die Ausweitung der Förderung akademischen Nachwuchs mit Behinderungen sowie die inklusive Weiterentwicklung von Bildungsangeboten unter Mitwirkung behinderter Menschen als Expert:innen in eigener Sache. Auch die Frage der Öffnung von Studienangeboten für Menschen mit intellektuellen Beeinträchtigungen wurde diskutiert. Zuletzt bat der Beauftragte um Unterstützung, um den sog. Rollstuhl- und Blindenparcours dauerhaft abzusichern. Die Hochschule Bremen ist seit langem eine der Trägerinnen des Angebots. Der Parcours sucht ganz dringend neue Räumlichkeiten von gut 100 Quadratmetern.

Nachruf Achim Giesa

Achim Giesa während der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes

Der LBB nimmt Abschied von Achim Giesa, einem langjährig engagierten Behindertenvertreter und Aktivisten aus Bremen. Mit großem Einsatz setzte er sich insbesondere für die Rechte und die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung ein. Achim Giesa ist am 14. Dezember unerwartet verstorben.

WIR - wir sind die Aktiven und reden mit

Gemeinsam mit Detlef Erasmy gründete Achim Giesa den Verein „WIR - wir sind die Aktiven und reden mit“ unter dem Dach der Lebenshilfe Bremen e.V. Als 1. Vorsitzender des Sprecherrats von „WIR“ vertrat er die Interessen von Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung bei zahlreichen öffentlichen Veranstaltungen mit großer Klarheit und Nachdruck.
Darüber hinaus engagierte er sich bei Special Olympics Bremen als stellvertretender Athletensprecher.

Einsatz für einen zeitgemäßen Schwerbehindertenausweis

Ein zentrales Anliegen seines Wirkens war die Umgestaltung des Schwerbehindertenausweises: Über viele Jahre setzte er sich dafür ein, das frühere, große Postkartenformat durch ein handlicheres und unauffälligeres Scheckkartenformat zu ersetzen, um belastende Situationen im Alltag zu vermeiden.
2013 gelang es ihm gemeinsam mit Detlef Erasmy, diese Veränderung umzusetzen. Für ihren langjährigen Einsatz für Teilhabe und Gleichberechtigung wurden beide im April 2014 im Bremer Rathaus mit der Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet - einer bedeutenden staatlichen Anerkennung für gesellschaftliches Engagement.

Verbundenheit mit der Lebenshilfe Bremen

Achim Giesa war über Jahrzehnte eng mit der Lebenshilfe Bremen verbunden und kann mit Recht als eines ihrer „Urgesteine“ bezeichnet werden. Seit 1974 war er Teil der Lebenshilfe - zunächst in Wohngruppen und im stationären Wohnen. In den Jahren 1983/84 nahm er am Wohntraining teil und bezog bereits 1986, unterstützt durch die Lebenshilfe Bremen, eine eigene Wohnung. Damit war er seiner Zeit voraus und ein echter Vorreiter für selbstbestimmtes Wohnen.

Er gehörte zudem zu den ersten, die Assistenzleistungen in Anspruch nehmen konnten. Viele Jahre lebte er im betreuten Wohnen der Lebenshilfe Bremen und blieb auch nach einem Schlaganfall im April 2018 in seiner eigenen Wohnung. Darüber hinaus brachte er sich aktiv im Bewohnerbeirat ein und engagierte sich auf Bundesebene in der Bundesvereinigung Lebenshilfe e.V. im „Rat der behinderten Menschen“.

Viele von uns verbinden persönliche und gemeinsame Erlebnisse mit Achim Giesa in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen. Mit seinem Tod verlieren wir einen geschätzten Ansprechpartner, einen beharrlichen Streiter für Selbstbestimmung und einen Menschen, der viel bewegt hat.

Bundesverdienstorden 2014 für neuen Schwerbehindertenausweis

Entwicklung der digitalen Barrierefreiheit im Land Bremen

Die Zentralstelle für barrierefreie Informationstechnik (ZenbIT) hat die Ergebnisse aus dem Überwachungszeitraum 2025 in eine Reihe mit den Ergebnissen der Vorjahre gestellt.
An den Zahlen und dem begleitenden Auswertungstext für das Jahr 2025 lässt sich erkennen, dass das Bewusstsein für digitale Barrierefreiheit im Land Bremen gestiegen ist und gleichzeitig noch viel Verbesserungsbedarf besteht. Wir freuen uns besonders, dass auch diesmal gelungene Angebote als beispielhaft benannt werden können.

Auswertung der Überwachung digitaler Angebote 2025

Bewerbung auf eine Überprüfung des eigenen Web-Angebots bei der ZenbIT

Sie möchten als öffentliche Stelle eine Überprüfung Ihres Webangebots auf Barrierefreiheit? Dann haben Sie nun die Möglichkeit, sich für eine vereinfachte Überwachung zu bewerben.
Bitte beachten Sie, dass für das folgende Jahr nur Bewerbungen bis zum Stichtag 31.08. des laufenden Jahres berücksichtigt werden können. In Ausnahmefällen werden auch noch Bewerbungen nach dem Stichtag angenommen. Ihre Bewerbung wird dem Landesteilhabebeirat vorgelegt, der die Stichprobe zur Überwachung der barrierefreien Informationstechnik jährlich beschließt.

Weitere Informationen und Bewerbungsformular

Offene Angebote zur Mediennutzung/-unterstützung in Bremen und Bremerhaven für Menschen mit Beeinträchtigungen

Die Liste der offenen Angebote zur Mediennutzung/-unterstützung in Bremen und Bremerhaven für Menschen mit Beeinträchtigungen ist aktualisiert.
Die Liste wird vom Netzwerk Digitale Teilhabe zusammengestellt. Kennen Sie ein Medienangebot, das hier noch fehlt? Dann melden Sie sich gerne bei uns.

Offene Angebote zur Mediennutzung

In eigener Sache: Schülerpraktikant beim LBB

Im März haben wir für eine Woche Zuwachs von Dimitar bekommen:

Ich mache gerade ein Schülerpraktikum beim Behindertenbeauftragten in Bremen. In dieser Zeit lerne ich viel über die Arbeit für Menschen mit Behinderungen. Ich bin dankbar für diese tolle Erfahrung und die gute Zusammenarbeit.

Nachbericht: Menschenrechte in der Krise: Wie inklusiv ist die Klimapolitik in Bremen?

Anne Mechels mit Arne Frankenstein und Andrea Schöne auf dem Podium im Gespräch

Menschen mit Behinderungen stehen aufgrund des Klimawandels vor besonderen Herausforderungen. Daher bot der LBB in Kooperation mit der KlimaWerkStadt Bremen am 20. Januar 2026 die Veranstaltung „Menschenrechte in der Krise: Wie inklusiv ist die Klimapolitik in Bremen?“ an.

Mit einem Impulsreferat gelang Andrea Schöne – freie Journalistin, Autorin und politische Bildnerin – ein sehr guter Einstieg, wie behinderte Menschen von den Folgen des Klimawandels betroffen sind. Sie griff dabei insbesondere die Themen „Ökoableismus“, „Verteilungsgerechtigkeit“ und „politische Teilhabe behinderter Menschen in Klimawandeldebatten“ auf und machte deutlich, dass hier akuter Handlungsbedarf besteht.

Im anschließenden Kurzreferat stellte Stefan Wittig von der Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft dar, wie Bremen mit dem Klimawandel umgeht und wie die Grundlagen sozialer Gerechtigkeit hier gestaltet werden.

Im zweiten Teil der Veranstaltung wurde auf Basis der Vorträge mit den zusätzlichen Gästen Florian Grams und Nikos Engel eine Podiumsdiskussion zu den Forderungen an eine inklusive Klimapolitik in Bremen geführt. Alle Teilnehmenden konnten darüber hinaus im Rahmen der Veranstaltung die eigenen Forderungen auf Tafelwänden benennen.
Insgesamt wurde deutlich, dass es noch ein weiter Weg ist, hin zu einer inklusiven Klimapolitik – diese Veranstaltung kann nur der Auftakt sein. Es wurde verabredet, dass die umfassenden Forderungen ausgewertet und in geeigneter Weise den politisch Verantwortlichen übergeben werden. Diesen Weg werden wir transparent gestalten und sichtbar machen.

Klimareport Bremen und Bremerhaven in Leichter Sprache

Das Titelbild des Klimaberichts, Schnoor, Sail City Hotel und die Bremer Stadtmusikanten

Klimaschutz und Inklusion müssen von Anfang an zusammen gestaltet werden. Es ist Zeit, dass die Lebenswirklichkeit von behinderten Menschen gleichwertiger Bestandteil der Klimadebatte wird.
Die Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft zusammen mit dem Deutschen Wetterdienst den Klimareport für das Land Bremen veröffentlicht hat. Inhaltlich gibt der Report einen Überblick über in der Vergangenheit beobachteten Klimadaten und einen Ausblick in die Zukunft. Der Report liegt auch in Leichter Sprache vor.

Klima-Bericht in Leichter Sprache

Klimareport Bremen und Bremerhaven

Nachbericht Filmabend: Wir werden nie wieder Opfer sein!

Einladung zum Film. Standbilder aus dem Film sind auf eine Pinnwand geheftet.

Im Rahmen der Veranstaltungen zum "Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus" wurde der Dokumentarfilm „Wir wollen nie wieder Opfer sein! Menschen mit und ohne psychische Erkrankung gegen die extreme Rechte!" in Kooperation mit der Bremischen Bürgerschaft am 22.Januar.2026 gezeigt.

Der Filmabend und das Podiumsgespräch, an dem neben den Filmemacher:innen der Compagnons, Cooperative inklusiver Film, auch Florian Grams als Protagonist und Friedrich Buhlrich als Zeitzeuge teilnahmen, haben gezeigt, dass Teilhabe und Inklusion als wirksame Mittel gegen Rechtsextremismus diesen entlarven und ermutigen, gemeinsam weiterzumachen.

Nachbericht: Forschung, Haltung Aktivismus: Inklusionsforschung zwischen Bildungsutopie und Systemkonformität

Tafelbild Gesehen werden - Inklusion fängt bei mir an

Arne Frankenstein sprach auf der 39. Inklusionsforschungstagung, einem europaweiten Kongress der Inklusionsforschung, der vom 18. bis 20. Februar 2026 in Bremen stattfand. Er wandte sich hierbei direkt an die Wissenschaftler:innen:

Wir brauchen gerade jetzt Forschung, die auf normativer Grundlage weiter konkretisiert, wie eine Schule für alle unter den gegenwärtigen Bedingungen aussehen sollte. Gerade an der Universität Bremen weiß man, dass die methodischen Konzepte seit den 1980er Jahren bestehen. Sie konzeptionell in die Zukunft zu führen, um die menschenrechtlichen Vorgaben umzusetzen, hierzu erwarte ich einen Beitrag der Inklusionsforschung.

Danach wandte er sich in Gegenwart von Bildungssenator Mark Rackles an Politik und Verwaltung. Gegen Widerstände auf Grundlage fachlicher Überzeugungen für echte Transformationen einzustehen, das wiederum erwarte der Beauftragte von Politik und Verwaltung. Dies könne nur erreicht werden, wenn das Ziel einer Einheitsschule im Rahmen eines Entwicklungsplans verfolgt werde.

Inklusion ist nicht Hemmschuh, sondern Schlüssel zu mehr Bildungsqualität.

Im Anschluss begeisterte Janne Schmidmann das Publikum mit einem fulminanten Vortrag zur Notwendigkeit inklusiver Haltung.

Porträt der Behindertenrechtsaktivistin Özden Ohlsen

Özden Ohlsen hält einen bunten Blumenstrauss in den Händen

Hallo, mein Name ist Özden Ohlsen. Ich bin Aktivistin für Menschen mit Behinderungen, für Menschen mit psychischen Herausforderungen sowie für Frauen- und Menschenrechte. Es freut mich sehr, dass ich gefragt wurde, ob ich nicht einen Beitrag teilen möchte.

Seit ich elf Jahre alt bin, lebe ich in Deutschland und seit meinem 18. Lebensjahr in Bremen. Bremen ist meine Heimat. Die Stadt hat mich in verschiedensten Rollen, Funktionen und Lebensabschnitten kennengelernt: als gelernte Heilerziehungspflegerin, systemische Beraterin, Kurzzeittherapeutin und Familientherapeutin. Gleichzeitig bin ich Gründerin der zwei Start-ups „Fabrik der Gesundheit“, welches betriebliches Gesundheitsmanagement in zwölf Sprachen anbietet, und „MagicKorn“. Mit MagicKorn stellen wir Mental-Health-Tools bereit – über 200 Inhalte, die ganz einfach per QR-Code für den Alltag abrufbar sind.

Zudem bin ich Autorin des Buches „Station 61 – Zurück aus der Hölle“ und des dazugehörigen Podcasts, den ich gemeinsam mit dem ehemaligen Chefarzt des Klinikums Ost, Dr. Martin Zinkler (WHO-Mitglied gegen Zwang und für Folterrecht), in Kooperation mit dem Kulturladen Huchting e.V. umsetzen darf. Unsere Zielsetzung ist es, die Psychiatrie-Reform in die Praxis zu transformieren, und wir setzen uns für eine menschenwürdige Psychiatrie ein. In unser „Insan-Mensch-Podcast-Studio“ auf dem Gelände des Kulturladens Huchting kommen Akteure aus ganz Deutschland, um sich im psychiatrischen und politischen Kontext aktiv gegen Zwangsmaßnahmen und die Registrierung von Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen einzusetzen.

Dieses Thema ist für mich weit mehr als nur eine Berufung. Mit 21 Jahren erlitt ich eine cannabisinduzierte Psychose. Durch diese Erkrankung kam ich auf die Station 61; dort wurde ich zwangsuntergebracht, zwangsmedikamentiert und fixiert. Ich wurde für sechs Wochen gegen meinen Willen stationär aufgenommen. Am Entlassungstag wurde ich im Rahmen der Oberarztvisite vor Oberärzten, Pflegekräften, Sozialarbeitern und Psychologen zu meiner Zukunft befragt – ich hatte zu dieser Zeit gerade mein Abi gemacht. Ich antwortete, dass ich gerne studieren oder eine Ausbildung machen möchte. Vom interdisziplinären Team wurde mir jedoch gesagt, dass ich das nicht könne. Man traute mir weder ein Studium noch eine Ausbildung zu; stattdessen sollte ich in ein betreutes Wohnen ziehen. Gleichzeitig wurde mir für ein Jahr ein rechtlicher Betreuer für die Bereiche Aufenthalt und Gesundheit zur Seite gestellt.

Meine Mutter traf damals die richtige Entscheidung und setzte sich dafür ein, dass ich nicht in das betreute Wohnen ziehen musste. Heute setze ich mich politisch und institutionell mit all meinen Rollen und Funktionen sowie einem bundesweiten Netzwerk dafür ein, dass kein Mensch – ob 21 Jahre alt oder in einem anderen Alter – jemals wieder so behandelt wird. Darauf bin ich stolz.

Was erwartet mich bei der Frauenärztin? Informationen für Frauen mit Lernschwierigkeiten

Ob Vorsorgeuntersuchungen, Verhütung, Schwangerschaft, Wechseljahre oder gynäkologische Beschwerden – es gibt viele wichtige Gründe für einen Termin bei einer Frauenärztin oder einem -arzt.

Doch viele Frauen mit Lernschwierigkeiten scheuen die Untersuchungen. Um Ängste abzubauen, konzipierte die Zentralstelle der Landesfrauenbeauftragten (ZGF) gemeinsam mit der Sexualpädagogin
Kadidja Rohmann eine Broschüre in Leichter Sprache.

Download der Broschüre Was erwartet mich bei der Frauenärztin? in Leichter Sprache (pdf)

Handreichung zur inklusiven Pflegekinderhilfe und aktuelle Umfrage

Der Bundesverband behinderter Pflegekinder e.V. hat nach einem umfassenden Beteiligungsprozess die erste umfassende und gut leserliche Handreichung zur inklusiven Pflegekinderhilfe herausgebracht, die Fragen aufwirft, wie „Wie leben Pflegekinder mit Behinderung? Was brauchen sie? Und was sollte ein künftiges Kinder- und Jugendhilfe-Gesetz berücksichtigen?“.
Bis zum 31. März läuft die aktuelle Umfrage „Selbsthilfe als Ressource im inklusiven Kinderschutz – Perspektive der Fachkräfte“. Ziel dieser Umfrage ist es, Erfahrungen und Einschätzungen aus der Praxis zu erfassen und sichtbar zu machen, welche Bedeutung Selbsthilfeangebote in der Unterstützung von Kindern, Jugendlichen und Familien haben können.

Projekt „Einfach Deutsch – Gemeinsam stark“

Logo Projekt Einfach Deutsch gemeinsam stark

In 2025 startet das Projekt „Einfach Deutsch – Gemeinsam stark“ als Kooperationsprojekt des DRK Kreisverbands Bremen e.V. und der Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe e.V.
„Einfach Deutsch – Gemeinsam stark“ bietet zugewanderten Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen verschiedene Angebote: Deutschkurse, eine individuelle Beratung, Vermittlung in Freizeitangebote und eine Selbsthilfegruppe. Zudem gibt es Schulungen für Fachkräfte.
Alle Angebote sind kostenfrei und werden von einem erfahrenen Team begleitet.

Weitere Infos zum Projekt Einfach Deutsch – Gemeinsam stark

Veranstaltungshinweise

Alltag inklusive am 28. April 2026 um 18:00 Uhr im Festsaal im Haus der Bürgerschaft, Am Markt 20, 28195 Bremen

Im Rahmen des Aktionsmonats für Inklusion vom 4. April bis zum 5. Mai 2026 möchten die Bremer Museen für Alltagsgeschichte (Adern der Stadt, Altes Pumpwerk, Dom-Museum, Hafenmuseum, Krankenhaus-Museum, Rundfunkmuseum, Schulmuseum Bremen, Tischlerei-Museum und WUSEUM) gemeinsam für das Thema sensibilisieren, ein offenes Angebot schaffen aber auch sich selbst und die museale Arbeit kritisch hinterfragen.

Um gemeinsam Perspektiven für eine barrierefreiere Zukunft in Museen zu erarbeiten und auch in den Austausch mit den unterschiedlichen Communities zu kommen, laden die Bremer Museen für Alltagsgeschichte gemeinsam mit der Bürgerschaftskanzlei und dem Landesbehindertenbeauftragen zu einer offenen Podiumsdiskussion ein.
Dabei möchten sie den aktuellen Stand der Barrieren erfassen und gemeinsam mit den Podiumsgästen und dem Publikum Lösungsperspektiven für die Zukunft diskutieren.

Aus organisatorischen Gründen wird um eine Anmeldung über das Anmeldeformular per E-Mail an office@lbb.bremen.de oder per Telefon 361-18181 bis zum 17. April gebeten.

Weitere Informationen zur Veranstaltung Alltag inklusive

4. Fachtag Psychiatrie. Radikal: Menschenrechte in der Psychiatrie, 17./ 18. April 2026, Blaue Manege, Kommodore Johnson Boulevard 11, 28217 Bremen

Zielsetzung des 4. Fachtags ist, aus verschiedenen Perspektiven den Blick auf die alltägliche Praxis und den Status Quo der Bremer Psychiatrie zu erweitern und durch die Auseinandersetzung mit menschenrechtsbezogenen Vorgaben (WHO, UN BRK) und Diskursen die Notwendigkeit und Umsetzung von Veränderungen in den Fokus zu nehmen. Es wird sich befasst mit Fragen wie: „Welche konkreten Veränderungen sind erforderlich, um die Vorgaben der WHO in der alltäglichen Praxis konsequent umzusetzen?“ bzw. „Was bedeuten ‚Wahrung von Autonomie‘ und ‚Verzicht auf Zwang‘ für die praktische Umsetzung?“ oder „Wie kann entsprechend der UN BRK ‚unterstützte Entscheidungsfindung‘ konsequent etabliert werden?“

Anmeldung unter fachtag@neuepsychiatriebremenwest.de

Save the Date: Aktionswoche FASD 08.-12. Juni 2026

Das Thema Fetales Alkoholsyndrom (FASD) ist trotz bekannter Zahlen leider immer noch eine Nischenthema ist. Mit der FASD-Aktionswoche im Juni sollen Fachkräfte aus Behörden, Ämtern, medizinischen Bereichen, Einrichtungen der Kinder-, Jugend- und Erwachsenenhilfe, Schulen, etc., (Pflege-)Eltern sowie die allgemeine Öffentlichkeit eingeladen werden, in gemütlichen Rahmen, sich dem Thema zu öffnen. Betroffene mit FASD sind natürlich ebenfalls eingeladen, die Erfahrung zeige aber, dass Veranstaltungen nur bedingt genutzt werden (können).
Neben der Präventionsausstellung "ZERO" werden in dieser Woche die Alltagsherausforderungen von Menschen mit dem Fetalen Alkoholsyndrom in mehreren Veranstaltungsformaten in den Fokus genommen. Veranstaltet wird die Aktionswoche von faspektiven e.V.

Anfragen gern an info@faspektiven.de

Ausstellung "Von Schutzräumen und Tatorten - Gewalt in stationären Einrichtungen" mit der Auftaktveranstaltung am 15. Juni 2026 um 18:00 Uhr im Theater Bremen - Save-the-date

Die Wanderausstellung „Von Schutzräumen und Tatorten“ der Journalistin Karina Sturm wird vom 15. bis 27. Juni im Theater Bremen (Rangfoyer) zeigen, wie alltäglich Gewalt für viele Menschen mit Behinderungen ist - besonders in Systemen wie (teil-)stationären Wohneinrichtungen. Sie basiert auf dem Rechercheprojekt #AbleismusTötet von AbilityWatch e. V. und richtet sich an Fachkräfte, Angehörige, Betroffene, politische Entscheidungsträger:innen und die breite Öffentlichkeit. Die Auftaktveranstaltung wird am 15. Juni im Neuen Rangfoyer (Theater Bremen) durchgeführt werden. Am 27. Juni folgt eine Abschlußveranstaltung.

Die Kooperationspartner:innen sind neben dem LBB, das Demokratiezentrum Land Bremen (Die Senatorin für Arbeit, Soziales, Jugend und Integration) und die Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe behinderter Menschen Bremen e.V.

Weitere Informationen zur Veranstaltung und zur Ausstellung folgen demnächst.

Das Filmfest Bremen feiert vom 15. bis 19. April seine 11. Ausgabe

Logo filmfest Bremen

Fünf Tage voller Kino, Begegnungen und internationaler Filmkultur, verteilt über die Leinwände unserer Stadt. Gäste aus Deutschland, Europa und aller Welt reisen an, um ihre Filme persönlich zu präsentieren. Lang-, Kurz- und Dokumentarfilme, Experimental- und Spielfilme versprechen ein vielseitiges, spannendes Programm, eingerahmt von Filmgesprächen, Events und festlichen Preisverleihungen.

2026 vergibt das Filmfest Bremen erstmals den Filmpreis Diversity powered by brema und swb. Der Preis würdigt Filme, die Vielfalt sichtbar machen und zeigen, warum sie unsere Gesellschaft bereichert.

Ende Januar tauschten sich Arne Frankenstein und Kai J. Steuck mit Vertreter:innen des Filmbüros Bremen und des Filmfests Bremen - Ilona Rieke, Marc Sifrin und Nelli Ganeva - aus. Im Gespräch ging es auch um die geplanten Filme zum Thema Diversity, die auf dem Filmfest präsentiert werden sollen.

Save the Date: Duo-Day in Bremerhaven und Bremen am 08. Oktober 2026

Logo Duoday

Der DuoDay ist ein internationaler Aktionstag, an dem Menschen mit Beeinträchtigung einen Arbeitsplatz in einem Betrieb oder einer öffentlichen Institution kennenlernen und aktiv mitarbeiten. Ziel ist es, berufliche Teilhabe sichtbar zu machen, Vorurteile abzubauen und echte Begegnungen zu ermöglichen. Mitarbeitende erhalten einen direkten Einblick in die Perspektiven und Fähigkeiten der Teilnehmenden, während diese neue Arbeitsfelder ausprobieren und Kontakte knüpfen können.
Der DuoDay wird ausgerichtet vom Verein für Innere Mission, den Unternehmensverbänden und dem Landesinstitut für Schule. Es gibt noch bis Mai die Möglichkeit, sich als Betrieb / Institution als Praktiukumsgeber zu registrieren. Die Teilnehmenden können sich ab Juni für die Praktikumsplätze anmelden.

Nähere Informationen zum Duo-Day 2026: